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Bücherverbrennung: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Ernst Feuerle (Diskussion | Beiträge)
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NSDAP-Kreisjugendführer Schenkel ''„bedauerte es sehr, dass niederträchtige gewissenlose Menschen unter die Bücher des Schmutzes und Schundes ein – neues Testament gesteckt hätten. Es werde das Symbol des neuen Deutschland sein, ohne auf den Scheiterhaufen zu kommen, auf den die Burschen gehören, die es hergegeben haben!“''
NSDAP-Kreisjugendführer Schenkel ''„bedauerte es sehr, dass niederträchtige gewissenlose Menschen unter die Bücher des Schmutzes und Schundes ein – neues Testament gesteckt hätten. Es werde das Symbol des neuen Deutschland sein, ohne auf den Scheiterhaufen zu kommen, auf den die Burschen gehören, die es hergegeben haben!“''

Die versteckte Drohung gegen die Antifaschisten, die durch die subtile Aktion mit dem Neuen Testament auf die wahren Ziele der Nationalsozialisten hinwiesen, sollte Jahre später millionenfach verwirklicht werden.


Bei der Volkszählung am Tag zuvor hatten 770 Menschen in Pforzheim bei „Religionszugehörigkeit“ ihr Kreuz bei „Israeliten“ gemacht; über 200 von ihnen werden Opfer des zur Staatsdoktrin gewordenen Antisemitismus, 88 allein in Auschwitz ermordet und verbrannt.
Bei der Volkszählung am Tag zuvor hatten 770 Menschen in Pforzheim bei „Religionszugehörigkeit“ ihr Kreuz bei „Israeliten“ gemacht; über 200 von ihnen werden Opfer des zur Staatsdoktrin gewordenen Antisemitismus, 88 allein in Auschwitz ermordet und verbrannt.

Version vom 25. März 2008, 15:19 Uhr

Bücherverbrennung 17. Juni 1933 in Pforzheim

Nach dem Muster der Bücherverbrennungen in zahlreichen Universitätsstädten am 10. Mai rufen in Pforzheim die Hitlerjugend (HJ), der Bund deutscher Mädchen (BdM) und das Hitlerjungvolk am 17. Juni 1933 zu einer solchen Aktion auf. An einem Samstagabend gegen 21 Uhr sehen trotz starken Regens „einige Tausend“ auf dem Marktplatz zu, wie auf einem Scheiterhaufen „Schmutz- und Schundbücher“ verbrannt werden. Zur Vorbereitung der Aktion hatte die HJ „tagelang“, „mit rastlosem Eifer“, „treppauf, treppab... jeden denkbaren Winkel auch zu Hause durchsucht“ – die „Pforzheimer Rundschau“ bemerkt „das karge Ergebnis“.[1]

„ausgesondert“ und „vernichtet“

Unter den verbrannten Büchern sind auch solche, die zuvor aus dem Bestand der Volksbücherei ausgesondert worden waren.[2]

Herrmann Rapp, 1933 noch Sekretär des ADGB (Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes) in Pforzheim, vermutet über den Verbleib der Gewerkschaftsbibliothek, „dass bei der in jenen Tagen stattgefundenen Bücherverbrennungsaktion ein großer Teil derselben vernichtet wurde. Das tat mir besonders leid, denn es waren viele schöne Bücher dabei, die mit Politik nichts zu tun hatten, sondern schöngeistiger, naturwissenschaftlicher und sonst unterhaltender Art waren“[3].

Vor der Verbrennung marschiert die HJ, angeführt von der SA-Kapelle, durch die Stadt. Zu Beginn der Aktion begrüßt Kreisjugendführer Schenkel die „zahlreichen Vertreter von Stadt und Behörde“, auch Polizeihauptmann Klipfel, Oberleutnant Scholz, stellvertretender NSDAP-Kreisleiter Lichtenfels und Sturmbannführer Rilling. In den Berichten der Tageszeitungen – siehe Faksimiles – ist neben Remarques Werk „Im Westen nichts Neues“ vor allem „jüdische Schriftstellerei“ als „undeutsches Schrifttum“ genannt.

Drohung

NSDAP-Kreisjugendführer Schenkel „bedauerte es sehr, dass niederträchtige gewissenlose Menschen unter die Bücher des Schmutzes und Schundes ein – neues Testament gesteckt hätten. Es werde das Symbol des neuen Deutschland sein, ohne auf den Scheiterhaufen zu kommen, auf den die Burschen gehören, die es hergegeben haben!“

Bei der Volkszählung am Tag zuvor hatten 770 Menschen in Pforzheim bei „Religionszugehörigkeit“ ihr Kreuz bei „Israeliten“ gemacht; über 200 von ihnen werden Opfer des zur Staatsdoktrin gewordenen Antisemitismus, 88 allein in Auschwitz ermordet und verbrannt. Es sind Wenige, die sich an die prophetische Warnung von Heinrich Heine aus dem Jahr 1820 erinnern: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“.[4]

Warnung

Die Menge auf dem Pforzheimer Marktplatz singt am Schluss „entblößten Hauptes“ den Choral „Nun danket alle Gott“, das Lied vom „Guten Kameraden“ und endet mit einem dreifachen „Sieg Heil“ auf Adolf Hitler.

Beinahe wie die Antizipation des 23. Februar 1945 liest sich die Schilderung der Szenerie jenes Abends: „Die Flammen fraßen sich tief in den Bücher- und Holzstoß hinein und schlugen hoch zum Himmel empor. Gespenstisch waren die Gebäulichkeiten des Marktplatzes beleuchtet, die Gestalten, die ihn bevölkerten, waren in Rotglut gehüllt“.

Literatur

  • Dorothea Brändle, 100 Jahre Stadtbücherei Pforzheim 1893 – 1993, Pforzheim, 1993
  • Pforzheimer Morgenblatt 19. 6. 1933
  • Pforzheimer Rundschau 19. 6. 1933
  • Hermann Rapp, Aus schwerer und bewegter Zeit, Pforzheim, 1975
  • Hans Schütz, Verbotene Bücher, München, 1990

Quellen

  1. alle Zitate ohne Quellenangabe stammen aus den u.a. Zeitungsartikeln
  2. Brändle S. 28
  3. Rapp S. 149
  4. Heinrich Heine; Almansor, eine Tragödie, in: Sämtliche Werke, hrsg. von Klaus Briegleb, München, 1968, Bd. 1, S. 284 f.

Weblinks