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Stadtentwicklung und Stadtplanung in Pforzheim: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Der Architekt [[Kurt Kaiser]] war ab Herbst 1945 Planungschef Pforzheims. Der Schloßberg sollte nach den Vorstellungen des Planungschefs Kaiser, als ein Ort „gewisser Gefühl- und Erinnerungswerte“<ref name="Ciy-Konzepte"/> eine „mehr romantische Gestaltung“<ref name="Ciy-Konzepte"/> erhalten.<ref name="Ciy-Konzepte">'''City-Konzepte, 1946-1959 '''. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 69-70.</ref>
Der Architekt [[Kurt Kaiser]] war ab Herbst 1945 Planungschef Pforzheims. Der Schloßberg sollte nach den Vorstellungen des Planungschefs Kaiser, als ein Ort „gewisser Gefühl- und Erinnerungswerte“<ref name="Ciy-Konzepte"/> eine „mehr romantische Gestaltung“<ref name="Ciy-Konzepte"/> erhalten. Ab März 1947 besprach der Planungsausschuss über Kaisers Neuaufbau-Vorschläge. Als Gutachter wurde daraufhin [[Fritz Roth]] gerufen, der in seinem ''Gutachten über den Allgemeinen Verkehrs- und Bebauungssplan'' eine autogerechte Stadt forderte. Im Oktober 1948 wurde Roths Vorschläge genehmigt. Das Stadtzentrum verschob sich in den 1950er Jahren endgültig nach Westen zum Leopoldplatz.<ref name="Ciy-Konzepte">'''City-Konzepte, 1946-1959 '''. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 69-70.</ref>


== Die offene Mitte, 1960-1987 ==
== Die offene Mitte, 1960-1987 ==

Version vom 9. Mai 2018, 21:55 Uhr

Die Herausbildung des spätmittelalterlichen Stadtbildes und die Siedlungsentwicklung Pforzheims bis in das 20. Jahrhundert beschreibt die Stadtentwicklung Pforzheims vom Hochmittelalter bis in die Moderne.[1]

Altstadt

Anhand des „Hörrmann-Plan“ von Michael Hörrmann und seinem barocken Grundrissplan des Schlossbereichs von 1766, war es Christoph Timm möglich zur Michaelskappelle, dem Vorgängerbau der Schlosskirche, eine Turmhügelburg auf dem Schloßberg zu entdecken. Als Ur- und Keimzelle der Turmhügelburg und der späteren Stadt Pforzheims gilt laut Christoph Timm der Alte Hohe Turm. Der ehemalige Bergfried der alten Turmhügelburg (besser bekannt als der Alte Hohe Turm) auf der Pforzheimer Schloßberg bestand seit 1100 und wurde in den Jahren 1763 bis 1836 abgebrochen. Der Turm befand sich auf dem Pforzheimer Schloßberg ca. acht Meter nördlich vom Archivbau. Der Bergfried stellte den „ältesten Teil der Schloßanlage“[2] dar und wurde vermutlich seit salischer Zeit als Wohnturm erbaut. Der Turm war 34 Meter hoch, seine Grundfläche betrug 15,60 × 11,40 Meter. Das Zweischalenmauerwerk hatte eine Stärke von 3,60 Meter.[2] Lacroix bezeichnete die zwischen 60 und 90 cm starken Innenquader als „zugespitzt“,[3] während die 30 cm starken Innenquader als glatt beschrieben wurden. Der salische Bergfried wurde von Michael Hörrmann in seinem „Hörrmann-Plan“[4] – einem barocken Grundrissplan des Schlossbereichs von 1766 – festgehalten.

Den Turm umgab eine polygonale Ringmauer und die nördlich der Schloßkirche verlief. Ein Mauerrest aus staufischer Zeit konnte man im Archivbau entdecken. In Zusammenhang gebracht mit der Michaelskappelle, dem Vorgängerbau der Schlosskirche, sowie mit den Aufenthalten König Heinrich IV. in Pforzheim in den Jahren 1067, 1074 und 1076, kann diese alte Turmhügelburg nur aus der Salierzeit stammen. Die Besiedlung im Bereich der später sogenannten Neuen Stadt oder Neustadt erfolgte auf dem Schloßberg zur Zeit der salischen Könige und Kaiser.

Im Schutz der alten Turmhügelburg aus der Salierzeit entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert eine Kaufmannssiedlung mit zwei großen Wohntürmen: Dem Turmhaus Reuchlinstraße und dem Turmhaus Deimlingstraße. Diese Wohntürme aus der Mitte des 12. oder 13. Jahrhunderts wurde in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz errichtet.

Christoph Timm stellte eine Achsensymmetrie der alten Stadt fest: Die Entfernung vom westlichen Stadttor, dem Inneren Brötzinger Tor bis zum Markgraf-Ernst-Brunnen war genauso lang wie die Entfernung vom Markgraf-Ernst-Brunnen zum östlichen Altstädter Tor. Die Strecke vom nördlich gelegenen oberen Schloßtor zum Markgraf-Ernst-Brunnen war genauso lang war wie die Strecke vom Markgraf-Ernst-Brunnen zum städtischen Südtor (dem Tränktor). Der Bau der "Neustadt" erfolgte daher aufgrund der von Chistoph Timm festgestellten Achsensymmetrie nach einem mittelalterlichen Stadtbauplan. Der Bau von Plan-Städten ist bedeutend in der Stauferzeit. Der salische Besitz ging in Pforzheim in der Zeit vor 1157 an die Staufer über. Bereits im Jahre 1195 wurden die Bewohner Pforzheims als Bürger, Einwohner einer Stadt bezeichnet. Pforzheim entwickelte sich zu einer in den Jahren 1150 und 1190 angelegten Stauferstadt.


Zur Überwachung des Stadtaufbaus in diesem Gebiet dienten vermutlich das Turmhaus an der Reuchlinstraße sowie das südlich vom Rathaus befindliche Turmhaus Deimlingstraße. Es handelte sich hierbei um Wohntürmen aus der Mitte des 12. oder 13. Jahrhunderts.


Auf Grundlage der ermittelten Achsensymmetrie ist zu vermuten, dass das Gebiet westlich des Marktplatzes und südlich der Westlichen Karl-Friedrich-Straße im gleichen Zeitraum aufgesiedelt worden ist. Die nördliche Rand-Bebauung der alten und wichtigen West-Ost-Verbindung (früher Brötzinger Gasse und die Altstädter Gasse, heute Westliche Karl-Friedrich-Straße und Östliche Karl-Friedrich-Straße) muss in die gleiche Zeit angesetzt werden.

Oststadt

in der Mitte des 19. Jahrhunderts war Pforzheim mit seiner Schmuck- Eisen- und Chemieindustrie ein wichtiger Industriestandort in Südwestdeutschland. Unter Bürgermeister Carl Zerrenner wurde die Stadterweiterung eingeleitet und neue Baugebiete für Wohnhäuser und Fabriken ausgewiesen. Die Stadterweiterung erfolgte in der Oststadt und im Dreieck zwischen Enz und Nagold.[5]

Weststadt

Nachdem 1861 der Bahnhof in Betrieb genommen wurde, bot sich die angrenzende Leopoldvorstadt als Standort für die wachsende Schmuckindustrie an. 1860 entstand der Luisenplatz mit der Durlacher- und Luisenstraße. Dieser Bereich entwickelte sich zum "heimlichen Geschäftszentrum"[6] der Stadt Pforzheim aus . Dort entwickelte sich nun die aufstrebende Weststadt, die Christop Timm auch "Pforzheims Westend"[7] nennt. Wegen der dort ansässigen Millionäre (Bissinger, Daub, Fahrner, Hausch, Hepp, Kutroff, Rothschild, Zerrenner) hieß das Stadtviertel im Volksmund auch das "Millionenviertel"[8] Im Hotel Post (heute an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 37) in der Leopoldvorstadt war der Treffpunkt der Schmuckhändler.[9]

Das Eisenwerk der Gebrüder Benckiser entwickelte sich seit den 1850er Jahren zum großindustriellen Anbieter für Brückenbauwerke, Gasversorgung, Wasser- und Abwassertechnik. Das Becnkiserwerk erbaute die Auer Brücke 1851, das Gaswerke 1855 und die Grösseltal.Wasserleitung 1875.

Süd- und Nordstadt

Nachdem der deutsch-französische Krieg von 1871 gewonnen wurde erfolgten die Reperationsleistungen Frankreichs an das Wilhelminische Deutsche Kaiserreich, dem das Großherzogtum Baden 1871 beitrat. Die Reparationsleistungen Frankreichs führten zu einem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. Die aufstrebende Oststadt verschmolz mit der Alten Stadt. Im Jahre 1873 wurde dort nach Weinbrenners Vorschlag der Kappelhofplatz angelegt. Die Pforzheimer wachsende Südstadt erreichte bereits Kupferhammer im Nagoldtal. Ab 1871 gab die Stadtverwaltung für den Norden des Bahnhofs die Fluchtlinien für ein neues Stadtviertel vor: Dort entstand die zukünftige Nordstadt Pforzheims. Palastartige Fassaden der neuen vier- und fünfgeschossigen Stadtwohnhäuser im Historismus und Jugendstil gaben den Straßenzügen eine einheitliche Ensemblewirkung. Die Bauherren des Historismus und Jugendstil waren: Karl Ringer ( & Emil Ringer), Ernst Maler (& Robert Brenner), Carl Gottlieb Schmid, Theodor Denzle (& Hans Bühling) und Alexander Geist senior (& Alexander Geist junior).

Die Gründerzeit und die Jahrhundertwende leiteten einen großen Bauboom ein.[10] Die Ansprüche an repräsentative Fassaden stiegen zunehmend an.[10] Daher fanden nun Architekten aus der Region ein reiches Betätigungsfeld.[10] Sie stammten aus dem Bauhandwerk und hatten ihre architektonische Ausbildung an einer der Baugewerkeschulen in Karlsruhe oder Stuttgart genossen: Carl Hamm,[11] Alexander Geist junior,[12] Christian Hering, Otto Klein,[13] Hermann Neutz,[14] Albert Rau[15] Oskar Berger,[16] und Josef Roos.[10] So war die Innenstadt bis zum Luftangriff auf Pforzheim „stark von der Architektur des Historismus geprägt.“[17] Christoph Timm erklärt wie wichtig diese Bauten für Pforzheim waren: „Wie selbstbewusst man sich mit den Bauwerken jener Epoche identifizierte, zeigen die zahlreichen Ansichtskarten, die aus der Goldstadt in alle Welt gingen.“[17]


Als "zweite deutsche Stadt nach Berlin"[18] baute Pforzheim 1894 eine leistungsfähige Elektrizitätsversorgung ausschließlich für seine Industrie: Bijouterie-Industrie (Kollmar Jourdan und Rodi Wienenberger), Scheide-Anstalten, Doublé- und Metallwarenfabriken sowie Dentaltechnik, Werkzeug- und Maschinenbau. Elektromotoren wurden ganz früh eingesetzt, womit sich der Wirtschaftsstandort Pforzheim einen weltweiten Vorsprung sicherte.

City-Konzepte, 1946-1959

Der Architekt Kurt Kaiser war ab Herbst 1945 Planungschef Pforzheims. Der Schloßberg sollte nach den Vorstellungen des Planungschefs Kaiser, als ein Ort „gewisser Gefühl- und Erinnerungswerte“[21] eine „mehr romantische Gestaltung“[21] erhalten. Ab März 1947 besprach der Planungsausschuss über Kaisers Neuaufbau-Vorschläge. Als Gutachter wurde daraufhin Fritz Roth gerufen, der in seinem Gutachten über den Allgemeinen Verkehrs- und Bebauungssplan eine autogerechte Stadt forderte. Im Oktober 1948 wurde Roths Vorschläge genehmigt. Das Stadtzentrum verschob sich in den 1950er Jahren endgültig nach Westen zum Leopoldplatz.[21]

Die offene Mitte, 1960-1987

Der Markt- und Waishausplatz wurde mit einer Bausperre belegt. René Holz erarbeitete ein neues City-Modell, das der Stadtrat im Jahre 1960 genehmigte. der 10 Jahre alte Aufbauplan unter Kurt Kaiser (Max Müller) wurde aufgehoben. Dieser ursprüngliche Aufbauplan Müllers hatte am Schloßberg einen Fußgängerbereich vorgesehen. Der Schloßberg wurde der Anfang einer autogerechten Durchgangsstraße in Nord-Süd-Richtung. Insgesamt wurden 23 Straßen und 3 Plätze aus dem Stadtbild entfernt. Das traditionelle Pforzheimer Stadtbild bestehend aus umbauten Plätzen, Gassen und Bürgernhäusern verschwand entgültig.[22]

Kulturforum und City-2000-Konzept, ab 1988

1987 lud Siegbert Leopold Frank in seiner Eigenschaft als Planungs- und Baudezernent vier überregional namhafte Architekturbüros (Hillme/Sattler, Humpert/Rosenstiel, Kleihues, Krier) zu einem Workshop ein, um für die Innenstadtentwicklung neue Vorschläge zu machen.[23]

Einzelnachweise

  1. Haag und Bräuning 2001, S. 53-66
  2. 2,0 2,1 Haag und Bräuning 2001, S. 132.
  3. Lacroix, Hirschfeld und Paeseler 1939, S. 285f.
  4. Timm 2004, S. 245.
  5. Timm 2004, S. 48.
  6. Timm 2004, S. 50.
  7. Timm 2004, S. 50.
  8. Timm 2004, S. 50.
  9. Timm 2004, S. 48.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 Timm 2004, S. 83.
  11. Timm, 83, 136, 148, 379, 392, 397, 399, 471-473, 595, 596.
  12. Timm, 62, 83, 132, 309, 473, 552,556,559,565, 575, 578, 579, 590, 595.
  13. Timm, 49, 83, 85, 190, 356, 476, 477.
  14. Timm, 83, 289, 309, 355, 436, 469, 523.
  15. Timm, 83, 306, 395, 396, 561.
  16. Timm, 84, 290, 378, 394.
  17. 17,0 17,1 Timm 2004, S. 85.
  18. Timm 2004, S. 53.
  19. Timm 2004, S. 83.
  20. Timm 2004, S. 83.
  21. 21,0 21,1 21,2 City-Konzepte, 1946-1959 . In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 69-70.
  22. Die offene Mitte, 1960-1987 . In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 70-71.
  23. Kulturforum und City-2000-Konzept, ab 1988. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 72.

Literatur

  • Die Herausbildung des spätmittelalterlichen Stadtbildes und die Siedlungsentwicklung Pforzheims bis in das 20. Jahrhundert. In: Simon M. Haag und Andrea Bräuning: Pforzheim. Spurensuche nach einer untergegangenen Stadt (Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg zugleich Materialhefte zur Stadtgeschichte der Stadt Pforzheim. Band 15: Pforzheim) Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der Stadt Pforzheim, Ubstadt-Weiher 2001, ISBN 3-933924-03-0, S. 53-66.
  • Nr. 59 Alter Hoher Turm/Bergfried. In: Simon M. Haag und Andrea Bräuning: Pforzheim. Spurensuche nach einer untergegangenen Stadt (Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg zugleich Materialhefte zur Stadtgeschichte der Stadt Pforzheim. Band 15: Pforzheim) Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der Stadt Pforzheim, Ubstadt-Weiher 2001, ISBN 3-933924-03-0, S. 132.


  • Der Abbruch des „Alten Hohen Thurmes“. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, ISBN 978-3-89735-221-6, S. 244.
  • Ehemaliger Berchfrit oder „großer Thurm“. In: Emil Lacroix, Peter Hirschfeld und Wilhelm Paeseler: Die Kunstdenkmäler der Stadt Pforzheim (aus der Reihe Die Kunstdenkmäler Badens Band 9, Kreis Karlsruhe, Abt. 6). Karlsruhe 1939, unveränderter Nachdruck Frankfurt am Main 1983, ISBN 978-3-8035-1225-3, S. 285–286.
  • Die Stadt platzt aus den Nähten. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, ISBN 978-3-89735-221-6, S. 48f.
  • Pforzheims Westend. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, ISBN 978-3-89735-221-6, S. 50f.
  • Die Goldstadt boomt. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, ISBN 978-3-89735-221-6, S. 51f.