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Hebamme Friedericke Klink: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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TO DO: Schreibweise + Lebensdaten von Hr. Ehlers
Unsere Hebamme Friedericke Klink („Rickele“)


Unsere Hebamme Friederike Klink ("Rickele")
Wir Kinder vom [Schafhof] sind bald dahintergekommen, dass das nicht stimmen kann, dass der Storch die Kinder bringt.
Die wenigen Störche haben sich eher am [[Naturschutzgebiet_Roßweiher|Roßweiher See]] niedergelassen und haben nach unserer Beobachtung nichts im Schnabel gehabt.
Wir haben die Feststellung gemacht, dass wenn das „Rickele“, die Hebamme Friederike Klink, ins Haus kam, man hinterher Babygeschrei gehört hat.
Auch sind täglich Windeln zum Trocknen aufgehängt worden.
Die Riecke, die Hebamme, war oft auf dem [[Schafhof]]. Es gab dort viele Kinder - in manchen Häusern 8-10.


Wir Kinder vom [Schafhof] sind bald dahinter gekommen, dass das nicht stimmen kann, dass der
Sie war eine energische Person und konnte manchmal richtig harsch sein.
Storch die Kinder bringt. Die wenigen Störche haben sich eher am [[Naturschutzgebiet_Roßweiher|Roßweiher]] nieder gelassen und
Aber in ihrem Gesicht sah man auch ihren Humor und Schalk blitzen; den hat sie oft zur Geltung gebracht. Bei den Hausgeburten waren ihr die näheren Bekannten der Wöchnerin ({{wikipedia|Wochenbett|Wochenbett/Wöchnerin}}), die ihr Beistand leisteten, lieber.
haben unseren Beobachtungen nach nichts im Schnabel gehabt. Wir haben die Feststellung
Die Männer hat sie mit rauhem Befehlston weggschickt. Im damaligen Krankenhaus hat sie auch praktiziert.
gemacht, dass wenn das "Rickele", die Hebamme Friederike Klink ins Haus kam, man hinterher Babygeschrei gehört hat. Auch sind täglich Windeln zum Trocknen aufgehängt worden. Die Ricke, die Hebamme, war oft auf dem [[Schafhof]], es gab viele Kinder; in manchen Häusern 8 - 10!
Manche Frauen, auch wenn es absehbar war, dass die Geburt kompliziert war, waren auf der Entbindungsstation und haben dort ihre Kinder geboren.
Reichlich zu tun hatte sie immer, wenn man bedenkt, dass sie die einzige Hebamme war.
Jeden Tag mehrmals mit dem Fahrrad die [[Knittlinger_Steige_(Maulbronn)|Knittlinger Steige]] rauf und runter, musste im ganzen Ort rumkommen, zum [[Elfinger_Hof_(Maulbronn)|Elfingerhof]] bis auf den Seide- und Scheuelberghof, auch ab und zu nach [[Freudenstein]] und [[Hohenklingen]].
Gewohnt hat sie in der „Schmiede“, in dem Haus vom Klosterkeller. Sie war eine sehr geehrte Person.
Von jeder Frau, die sie entbunden hat, konnte sie deren Geschichte erzählen - meistens sehr originell. Unzählige Kinder hat sie auf die Welt gebracht, ganze Generationen, z.B. meine Geschwister und auch alle meine Kinder. Mit ihr zusammen war es ein ganz besonderes Erlebnis und immer wieder anders, dabei war immer etwas Witziges.


Sie war eine energische Person und konnte manchmal richtig barsch sein. Aber in ihrem Gesicht sah man auch ihren Humor und Schalk blitzen, den hat sie oft zur Geltung gebracht. Bei den Hausgeburten waren ihr die näheren Bekannten der Wöchnerinnen ({{wikipedia|Wochenbett|Wochenbett/Wöchnerin}}), die Beistand leisteten, lieber. Die Männer hat sie in rauem Befehlston weg geschickt.
Nun ein Beispiel. Wenn eine Gebärende laut geschrien hat, hat sie sagen können:

„Mensch Maier, hast Du beim Machen auch so geschrien?“
Im damaligen Krankenhaus hat sie auch praktiziert. Manche Frauen, wenn es absehbar war, dass die Geburt kompliziert werden würde, waren auf der Entbindungsstation und haben dort ihr Kind
Bei meiner letzten Geburt sagte sie ganz trocken: „Ein Mädchen.“ Es war das Vierte.
geboren. Reichlich zu tun hatte sie immer, wenn man bedenkt, dass sie die einzige Hebamme war.
Und ich meinte dazu: „Ich glaubte fast, es wär` ein Bub!“
Jeden Tag - manchmal mit dem Fahrrad die [[Knittlinger_Steige_(Maulbronn)|Knittlinger Steige]] rauf und runter - musste sie im ganzen Ort herumkommen; vom [[Elfinger_Hof_(Maulbronn)|Elfinger Hof]] bis auf den Seide- und Scheuelberghof - auch ab und zu nach [[Freudenstein]] und [[Hohenklingen]].
Sie darauf: „Dann schieb ich`s wieder rein und du wartest bis es ein Junge wird!“

Sowieso hat sie alle geduzt.
Gewohnt hat sie in der "Schmiede", in dem Haus vom Klosterkeller. Sie war eine sehr geachtete
Ihre Tochter Anne hat dann auch Hebamme gelernt und so haben sie zusammen gearbeitet. Allein hätte sie das auch nicht mehr geschafft.
Person. Fast jede Frau, die sie entbunden hat, konnte von ihren "Geschichten" erzählen, die meistens sehr originell waren. Unzählige Kinder hat sie auf die Welt gebracht, ganze Generationen z.B. meine Geschwister und fast alle meine Kinder. Mit ihr zusammen war es ein ganz besonderes Erlebnis und immer wieder anders, dabei war immer Witziges.
Hier ein Beispiel: Wenn eine Gebärende sehr laut geschrien hat, hat sie sagen können: "Mensch
Meier, hast du auch beim Machen auch so geschrien?" Bei meiner letzten Geburt sagte sie ganz trocken "Ein Mädchen!" (es war das vierte) und ich meinte dazu: "Ich glaubte fest, es wär ein Bub!" Sie darauf "Dann schieb ichs wieder rein und du wartest bis es ein Junge wird!" Sie hat alle geduzt.

Ihre Tochter Anne hat dann auch Hebamme gelernt und sie haben dann zusammen gearbeitet.
Allein hätte sie das auch nicht mehr geschafft. Nach dem Krieg sind, wie überall, viele Vertriebene
oder ausgebombte Menschen dazu gekommen, somit gab es immer mehr Geburten.
Die Entbindungsstation im Krankenhaus wurde immer mehr genützt. Das war auch für die Hebammen einfacher und sie mussten nicht mehr so oft von Haus zu Haus unterwegs sein. In den meist alten Häusern war es, was die Hygiene betrifft, nicht gerade optimal. Da hat sie oft
erbärmliche Zustände angetroffen! So hatten die Beiden im Krankenhaus ein besseres Arbeiten,
weil ja auch immer Ärzte anwesend waren.

Aber dann wurde das Maulbronner Krankenhaus aufgelöst, die Entbindungsstation nach [[Mühlacker]] in das [[Enzkreis-Klinik_Mühlacker|neue Krankenhaus]] mit eingebunden und die Tochter Anne hatte nun dort ihren Arbeitsplatz. Das war eine ganz große Umstellung für sie! Da war sie eben eine unter den anderen und konnte keine eigenen Entscheidungen mehr treffen.

Ihre Mutter, die Friederike Klink (Rickele) hat das nicht mehr erlebt!


Nach dem Krieg sind überall viele Vertriebene oder ausgebombte Menschen dazu gekommen, somit gab es immer mehr Geburten.
Die Entbindungsstation im damaligen Krankenhaus wurde immer mehr genutzt.
Das war auch für die Hebammen einfacher und sie mussten nicht mehr so oft von Haus zu Haus unterwegs sein. In den meisten alten Häusern war es, was die Hygiene anbetrifft, nicht gerade optimal; da hat sie oft erbärmliche Zustände angetroffen!
So hatten die beiden im Krankenhaus ein besseres Arbeiten, weil ja auch immer Ärzte anwesend waren.
Aber dann wurde das Maulbronner Krankenhaus aufgelöst, die Entbindungsstation auch und nach [[Mühlacker]] in das [[Enzkreis-Klinik_Mühlacker|neue Krankenhaus]] miteingebunden und die Tochter Anne hatte nun dort ihren Arbeitsplatz.
Das war eine ganz große Umstellung für sie. Da war sie eben eine unter den anderen und konnte keine eigene Entscheidungen mehr treffen. Ihre Mutter, die Friedericke Klink (Rickele), hat das nicht mehr erlebt.


aufgeschrieben von Frau [[Maria Weissert-Hartmann]] Maulbronn, Herbst 2017
aufgeschrieben von Frau [[Maria Weissert-Hartmann]] Maulbronn, Herbst 2017

Version vom 16. Februar 2018, 08:10 Uhr

TO DO: Schreibweise + Lebensdaten von Hr. Ehlers

Unsere Hebamme Friederike Klink ("Rickele")

Wir Kinder vom [Schafhof] sind bald dahinter gekommen, dass das nicht stimmen kann, dass der Storch die Kinder bringt. Die wenigen Störche haben sich eher am Roßweiher nieder gelassen und haben unseren Beobachtungen nach nichts im Schnabel gehabt. Wir haben die Feststellung gemacht, dass wenn das "Rickele", die Hebamme Friederike Klink ins Haus kam, man hinterher Babygeschrei gehört hat. Auch sind täglich Windeln zum Trocknen aufgehängt worden. Die Ricke, die Hebamme, war oft auf dem Schafhof, es gab viele Kinder; in manchen Häusern 8 - 10!

Sie war eine energische Person und konnte manchmal richtig barsch sein. Aber in ihrem Gesicht sah man auch ihren Humor und Schalk blitzen, den hat sie oft zur Geltung gebracht. Bei den Hausgeburten waren ihr die näheren Bekannten der Wöchnerinnen (Wikipedia zum Thema „Wochenbett/Wöchnerin”), die Beistand leisteten, lieber. Die Männer hat sie in rauem Befehlston weg geschickt.

Im damaligen Krankenhaus hat sie auch praktiziert. Manche Frauen, wenn es absehbar war, dass die Geburt kompliziert werden würde, waren auf der Entbindungsstation und haben dort ihr Kind geboren. Reichlich zu tun hatte sie immer, wenn man bedenkt, dass sie die einzige Hebamme war. Jeden Tag - manchmal mit dem Fahrrad die Knittlinger Steige rauf und runter - musste sie im ganzen Ort herumkommen; vom Elfinger Hof bis auf den Seide- und Scheuelberghof - auch ab und zu nach Freudenstein und Hohenklingen.

Gewohnt hat sie in der "Schmiede", in dem Haus vom Klosterkeller. Sie war eine sehr geachtete Person. Fast jede Frau, die sie entbunden hat, konnte von ihren "Geschichten" erzählen, die meistens sehr originell waren. Unzählige Kinder hat sie auf die Welt gebracht, ganze Generationen z.B. meine Geschwister und fast alle meine Kinder. Mit ihr zusammen war es ein ganz besonderes Erlebnis und immer wieder anders, dabei war immer Witziges. Hier ein Beispiel: Wenn eine Gebärende sehr laut geschrien hat, hat sie sagen können: "Mensch Meier, hast du auch beim Machen auch so geschrien?" Bei meiner letzten Geburt sagte sie ganz trocken "Ein Mädchen!" (es war das vierte) und ich meinte dazu: "Ich glaubte fest, es wär ein Bub!" Sie darauf "Dann schieb ichs wieder rein und du wartest bis es ein Junge wird!" Sie hat alle geduzt.

Ihre Tochter Anne hat dann auch Hebamme gelernt und sie haben dann zusammen gearbeitet. Allein hätte sie das auch nicht mehr geschafft. Nach dem Krieg sind, wie überall, viele Vertriebene oder ausgebombte Menschen dazu gekommen, somit gab es immer mehr Geburten. Die Entbindungsstation im Krankenhaus wurde immer mehr genützt. Das war auch für die Hebammen einfacher und sie mussten nicht mehr so oft von Haus zu Haus unterwegs sein. In den meist alten Häusern war es, was die Hygiene betrifft, nicht gerade optimal. Da hat sie oft erbärmliche Zustände angetroffen! So hatten die Beiden im Krankenhaus ein besseres Arbeiten, weil ja auch immer Ärzte anwesend waren.

Aber dann wurde das Maulbronner Krankenhaus aufgelöst, die Entbindungsstation nach Mühlacker in das neue Krankenhaus mit eingebunden und die Tochter Anne hatte nun dort ihren Arbeitsplatz. Das war eine ganz große Umstellung für sie! Da war sie eben eine unter den anderen und konnte keine eigenen Entscheidungen mehr treffen.

Ihre Mutter, die Friederike Klink (Rickele) hat das nicht mehr erlebt!


aufgeschrieben von Frau Maria Weissert-Hartmann Maulbronn, Herbst 2017