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===Alamannen und Franken (~260 - 9. Jh.)=== |
===Alamannen und Franken (~260 - 9. Jh.)=== |
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Ab 260 n. Chr. begannen die Alamannen über das heutige Baden-Württemberg zu herrschen und ab Ende des 5. Jh. die [[Franken]]. Diese errichteten kleinere Dörfer, deren Behausungen aus größeren hölzernen Langhäusern bestand, worin auch das Vieh untergebracht wurde. Die meisten heutigen Ortschaften wurden in dieser Zeit gegründet. Die typische Ortsbenennung dieser Zeit setzt sich aus dem Namen des Ortsvorstehers und der Endung ''-ingen'' und ''-heim'' zusammen. So leitet sich zum Beispiel [[Wilferdingen]] wohl von ''*Wulfhartingun'' ab, was soviel bedeutet wie "bei den Leuten des Wulfhart". Nicht alle Ortsgründungen aus dieser Zeit bestehen heute noch. Die bekannten Wüstungen, welche diese Endungen aufweisen (z.B. [[Thailfingen]], [[Neidlingen]]), sind damals entstanden. Zum anderen gibt es in der Region zahlreiche Reihengräberfunde, die man nicht direkt einem heutigen Ort zuordnen kann (z.B. |
Ab 260 n. Chr. begannen die Alamannen über das heutige Baden-Württemberg zu herrschen und ab Ende des 5. Jh. die [[Franken]]. Diese errichteten kleinere Dörfer, deren Behausungen aus größeren hölzernen Langhäusern bestand, worin auch das Vieh untergebracht wurde. Die meisten heutigen Ortschaften wurden in dieser Zeit gegründet. Die typische Ortsbenennung dieser Zeit setzt sich aus dem Namen des Ortsvorstehers und der Endung ''-ingen'' und ''-heim'' zusammen. So leitet sich zum Beispiel [[Wilferdingen]] wohl von ''*Wulfhartingun'' ab, was soviel bedeutet wie "bei den Leuten des Wulfhart". Nicht alle Ortsgründungen aus dieser Zeit bestehen heute noch. Die bekannten Wüstungen, welche diese Endungen aufweisen (z.B. [[Thailfingen]], [[Neidlingen]]), sind damals entstanden. Zum anderen gibt es in der Region zahlreiche Reihengräberfunde, die man nicht direkt einem heutigen Ort zuordnen kann (z.B.[[Oberhofen (Knittlingen)]]). |
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===Hoch- und Spätmittelalter (11. Jh. - 1500)=== |
===Hoch- und Spätmittelalter (11. Jh. - 1500)=== |
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Im Frühmittelalter war das Bevölkerungswachstum relativ gering und man verwendete die landwirtschaftliche Urwechselwirtschaft. Dies hieß, dass man die Hälfte der Ackerfelder abwechselnd einige Jahre nutzte und einige Jahre brach liegen ließ. Ab dem [[900|10. Jahrhundert]] setzte sich allmählich die Dreifelderwirtschaft durch, bei der man rotierend jeweils ein Drittel der Felder mit Sommergetreide und Wintergetreide bewirtschaftete und das letzte Drittel brach lag. Des Weiteren konnte technische Fortschritte (z.B. Beetpflug und häufigere Eisenverwendung). Dadurch konnte die Produktivität gesteigert werden und damit stieg auch die Bevölkerungszahl. In dieser Zeit entstanden neuere kleinere Weiler ("Ausbausiedlungen"), deren Bewohner die Orte aus Rodungsflächen entstehen ließen und deren Ackerflächen meist weniger fruchtbar waren als die ihrer "Muttersiedlung". Dies wurde im Pfenzland insbesondere im südlichen und westlichen [[Enzkreis]] praktiziert und viele dieser "Waldhufendörfer" bestehen heute noch (z.B. [[Darmsbach], [[Salmbach]]). Typische Endungen hierbei sind z.B. ''-bach'', ''-weiler'' oder ''-rot''. Einige dieser Orte erhielten keinen besonderen Namen und wurden "nur" [[Weiler]], [[Weilerle]] oder [[Weiher]] genannt. Zum anderen wurden in dieser Zeit Burgen errichtet an denen man ein Dorf erbauen ließ (enden meist auf ''-berg''). Dafür ließ man wahrscheinlich auch meist die nächstgelegenen Wohnorte absiedeln (z.B. [[Thailfingen]], [[Ütingen]]). |
Im Frühmittelalter war das Bevölkerungswachstum relativ gering und man verwendete die landwirtschaftliche Urwechselwirtschaft. Dies hieß, dass man die Hälfte der Ackerfelder abwechselnd einige Jahre nutzte und einige Jahre brach liegen ließ. Ab dem [[900|10. Jahrhundert]] setzte sich allmählich die Dreifelderwirtschaft durch, bei der man rotierend jeweils ein Drittel der Felder mit Sommergetreide und Wintergetreide bewirtschaftete und das letzte Drittel brach lag. Des Weiteren konnte technische Fortschritte (z.B. Beetpflug und häufigere Eisenverwendung). Dadurch konnte die Produktivität gesteigert werden und damit stieg auch die Bevölkerungszahl. In dieser Zeit entstanden neuere kleinere Weiler ("Ausbausiedlungen"), deren Bewohner die Orte aus Rodungsflächen entstehen ließen und deren Ackerflächen meist weniger fruchtbar waren als die ihrer "Muttersiedlung". Dies wurde im Pfenzland insbesondere im südlichen und westlichen [[Enzkreis]] praktiziert und viele dieser "Waldhufendörfer" bestehen heute noch (z.B. [[Darmsbach]], [[Salmbach]]). Typische Endungen hierbei sind z.B. ''-bach'', ''-weiler'' oder ''-rot''. Einige dieser Orte erhielten keinen besonderen Namen und wurden "nur" [[Weiler]], [[Weilerle]] oder [[Weiher]] genannt. Zum anderen wurden in dieser Zeit Burgen errichtet an denen man ein Dorf erbauen ließ (enden meist auf ''-berg''). Dafür ließ man wahrscheinlich auch meist die nächstgelegenen Wohnorte absiedeln (z.B. [[Thailfingen]], [[Ütingen]]). |
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Aufgrund der "Bevölkerungsexplosion" stoß die landwirtschaftliche Produktionskapazität an ihre Grenzen und die einfachen Leute begannen kaum noch Fleisch zu konsumieren. Diese monotone Ernährung führte letztlich auch zu einer Schwächung des Immunsystems, weshalb die [[Pest]]epedemie in der Mitte des 14. Jh. zu einem gravierenden Bevölkerungsrückgang bewirkt hatte.<ref> |
Aufgrund der "Bevölkerungsexplosion" stoß die landwirtschaftliche Produktionskapazität an ihre Grenzen und die einfachen Leute begannen kaum noch Fleisch zu konsumieren. Diese monotone Ernährung führte letztlich auch zu einer Schwächung des Immunsystems, weshalb die [[Pest]]epedemie in der Mitte des 14. Jh. zu einem gravierenden Bevölkerungsrückgang bewirkt hatte.<ref> |
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Version vom 22. Februar 2015, 20:29 Uhr
Geschichte der Wüstungen
Antike (bis ~260 n. Chr.)
Während der Römerzeit war die Region Pforzheim und Umgebung relativ dicht besiedelt und es entstanden viele Dörfer (Vicus) und einzelne Gutshöfe (Villa rustica). Doch kaum einer dieser Siedlungen hat sich bis heute erhalten. Lediglich die "civitas" Portus hat sich kontinuierlich als heutiges Pforzheim erhalten. Dies liegt auch daran, dass die ab Mitte des 3. Jahrhunderts in Südwestdeutschland herrschenden Alamannen zwar vielleicht die alten Siedlungsstrukturen übernommen hatten, aber nicht in der Lage waren die Gebäude instand zu halten. Auch gibt es heutige Orte (z.B. Lienzingen), inderen Ortskern römische Siedlungsspuren nachgewiesen sind. Ob hier eine direkte Siedlungskontinuität besteht, lässt sich aber nicht aussagen. Zum anderen bestehen bei Niefern und Dürrmenz aufgrund der untypischen Ortsnamen die Theorie, dass diese Namen keltischen Ursprung sein könnten.
Alamannen und Franken (~260 - 9. Jh.)
Ab 260 n. Chr. begannen die Alamannen über das heutige Baden-Württemberg zu herrschen und ab Ende des 5. Jh. die Franken. Diese errichteten kleinere Dörfer, deren Behausungen aus größeren hölzernen Langhäusern bestand, worin auch das Vieh untergebracht wurde. Die meisten heutigen Ortschaften wurden in dieser Zeit gegründet. Die typische Ortsbenennung dieser Zeit setzt sich aus dem Namen des Ortsvorstehers und der Endung -ingen und -heim zusammen. So leitet sich zum Beispiel Wilferdingen wohl von *Wulfhartingun ab, was soviel bedeutet wie "bei den Leuten des Wulfhart". Nicht alle Ortsgründungen aus dieser Zeit bestehen heute noch. Die bekannten Wüstungen, welche diese Endungen aufweisen (z.B. Thailfingen, Neidlingen), sind damals entstanden. Zum anderen gibt es in der Region zahlreiche Reihengräberfunde, die man nicht direkt einem heutigen Ort zuordnen kann (z.B.Oberhofen (Knittlingen)).
Hoch- und Spätmittelalter (11. Jh. - 1500)
Im Frühmittelalter war das Bevölkerungswachstum relativ gering und man verwendete die landwirtschaftliche Urwechselwirtschaft. Dies hieß, dass man die Hälfte der Ackerfelder abwechselnd einige Jahre nutzte und einige Jahre brach liegen ließ. Ab dem 10. Jahrhundert setzte sich allmählich die Dreifelderwirtschaft durch, bei der man rotierend jeweils ein Drittel der Felder mit Sommergetreide und Wintergetreide bewirtschaftete und das letzte Drittel brach lag. Des Weiteren konnte technische Fortschritte (z.B. Beetpflug und häufigere Eisenverwendung). Dadurch konnte die Produktivität gesteigert werden und damit stieg auch die Bevölkerungszahl. In dieser Zeit entstanden neuere kleinere Weiler ("Ausbausiedlungen"), deren Bewohner die Orte aus Rodungsflächen entstehen ließen und deren Ackerflächen meist weniger fruchtbar waren als die ihrer "Muttersiedlung". Dies wurde im Pfenzland insbesondere im südlichen und westlichen Enzkreis praktiziert und viele dieser "Waldhufendörfer" bestehen heute noch (z.B. Darmsbach, Salmbach). Typische Endungen hierbei sind z.B. -bach, -weiler oder -rot. Einige dieser Orte erhielten keinen besonderen Namen und wurden "nur" Weiler, Weilerle oder Weiher genannt. Zum anderen wurden in dieser Zeit Burgen errichtet an denen man ein Dorf erbauen ließ (enden meist auf -berg). Dafür ließ man wahrscheinlich auch meist die nächstgelegenen Wohnorte absiedeln (z.B. Thailfingen, Ütingen).
Aufgrund der "Bevölkerungsexplosion" stoß die landwirtschaftliche Produktionskapazität an ihre Grenzen und die einfachen Leute begannen kaum noch Fleisch zu konsumieren. Diese monotone Ernährung führte letztlich auch zu einer Schwächung des Immunsystems, weshalb die Pestepedemie in der Mitte des 14. Jh. zu einem gravierenden Bevölkerungsrückgang bewirkt hatte.[1] Die Einwohnerzahl Westeuropas sank damals von ungefähr 35 auf 20 Millionen.[2] Der Historiker Werner Rösener schätzt, dass in Deutschland in dieser Zeit ungefähr ein Viertel aller Siedlungen aufgegeben wurden.[3] Im Pfenzland könnten hierfür z.B. Neidlingen, Riesch oder Vitzenloch in Frage kommen, da diese ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wüst gefallen zu sein scheinen und vielleicht aufgrund des Bevölkerungmangels nicht mehr wiederbesiedelt wurden.
Frühe Neuzeit (~1500 - ~1700)
Ende des 15. Jh. erreichte die Bevölkerungszahl Westeuropas wieder ihren Stand vor der Pest und konnte sich bis 1600 auf ca. 45 Millionen erhöhen. Trotzdem sank ab etwa 1500 die Zahl der Ortschaften im Enzkreis und es wurden abgesehen von einzelnen Höfen vorerst keine neuen Dörfer gegründet. Stattdessen wurden die alten Dörfer erweitert und einige Muttersiedlungen nahmen die Bewohner ihrer Ausbausiedlungen wieder auf (z.B. Weiher, Eich). Dies lag wohl auch daran, dass sich die landwirtschaftliche Technik weiter verbesserte und damit die gleiche Ackerfläche in der Lage war mehr Menschen zu ernähren.
Im 30-jährigen Krieg sank die Population erneut um ein Drittel. Daraufhin wurden mancherorts die Dörfer in der Region mit Österreichern oder Schweizern wiederbesiedelt.
Späte Neuzeit bis heute (ab ~1700)
Die letzte Welle Dorfgründungen fand mit der Zuwanderung der Waldenser um 1700 statt. Diese durften meist an Gemarkungsgrenzen eigene Siedlungen gründen (z.B. Sengach, Corres) und erhielten teilweise sogar eigene Gemarkungen (z.B. Schönenberg, Kleinvillars. Andere Waldenserorte schlossen sich direkt an bestehende Dörfer an und wurden relativ schnell darin integriert ([Du Queyras]] und Lucerne). Das letzte gegründete Dorf im Enzkreis war 1721 Neubärental. Das letzte nicht-Waldenserdorf war 1713 Pfinzweiler, wobei dieses eine Neubesiedlung einer Wüstung darstellte.
Ab dem 17. Jh. stieg die Bevölkerungszahl weiter an und folgte dann ab dem 19. Jh. in den demographischen Wandel der industriellen Revolution. Ab dem 19. Jh. begannen dann einige kleinere Weiler ihre eigenständigen Gemarkungen zu verlieren und gingen letztlich vollständig in die größere Nachbarsiedlung auf (z.B. Eckenweiher, Obermönsheim).