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Württembergischer Personen- u. Güterbahnhof in Pforzheim: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Beim Blick auf die Stadtpläne von Pforzheim vor 1920
fällt auf, dass an der Tunnelstraße ein Königlich Württembergischer Güterbahnhof existierte, der mehrere Gebäude und zahlreiche Rangiergleise umfasste.
Noch heute liegen in diesem großen, zentrumsnahen
Areal neun Gleise, allerdings weitgehend ungenutzt.
Die dazugehörigen Gebäude sind schon längst abgerissen worden.
Aber damit nicht genug. Neben dem Badischen
Hauptbahnhof in Pforzheim hatte sich in Sichtweite
die Württembergische Staatseisenbahnverwaltung in
einer Fabrikantenvilla an der Luisenstr. 2 angesiedelt.
Vor deren Fenster lag der Bahnsteig mit den Gleisen,
die in das Enz- und Nagoldtal führten, so dass dieser
Endpunkt quasi noch einen Personenbahnhof bildete. Wie konnte es dazu kommen?
In Baden verkehrte die erste Eisenbahn ab 1840 zwischen Mannheim und Heidelberg. Erklärtes Ziel war
der Ausbau der Rheintalstrecke bis Basel. Mit den
Jahren zeigte sich die Notwendigkeit, die schnell
wachsenden Eisenbahnnetze der Länder miteinander zu verbinden. Leichter gesagt als getan. Aufgrund
der verschiedenen Interessen und Planungen ließen
sich die gewünschten Harmonisierungen jedoch
nicht so schnell verwirklichen. So auch im Falle
Badens und Württembergs.
Derartige Infiltrationen des eigenen Hoheitsgebiets
erforderten zumindest parlamentarisch abgesegnete Staatsverträge. Da sich Baden und Württemberg
partout nicht darauf einigen konnten, wo die Hauptverbindung zwischen den beiden Ländern entstehen
sollte, verzögerte sich auch die Anbindung von Pforzheim an die große Eisenbahnwelt.
Erst als die Staatsverträge vom 4. Dezember 1850,
17. Dezember 1857, 6. November 1860 und 18. Februar 1865 unter Dach und Fach waren, konnten
alle wechselseitigen Anschlüsse gebaut werden.
Bedauerlicherweise setzte sich Württemberg bereits
bei der ersten Streckenführung durch und hatte das
Konzessionsrecht, eine Verbindung von Mühlacker
nach Bruchsal auf badischem Gebiet zu bauen und
zu betreiben. Diese Entscheidung war die entscheidende Weichenstellung, die sich bis heute auswirkt
und Pforzheim in den Bahnverkehrsschatten drängte, vom ICE-Netz ausschloss und schließlich zum Regionalbahnhof deklassierte.
Dennoch war die Freude groß, als Pforzheim am
4. Juli 1861 den Bahnanschluss in Richtung Karlsruhe
feiern konnte. Am 1. Juni 1863 wurde dann die Verbindung nach Mühlacker hergestellt. Diese Strecke
wurde nun von der badischen Seite nach Württemberg hinein gebaut und verantwortlich betrieben.
Im Wechselspiel war nun Württemberg wiederum
am Zuge. Enz- und Nagoldtal sollten bahntechnisch
erschlossen werden. Am 11. Juni 1868 konnte die
Strecke von Wildbad nach Pforzheim fertiggestellt
werden. Die Baukosten beliefen sich auf 7,6 Millionen
Mark, darin eingeschlossen ein Tunnel und drei Brücken. Auf badischem Gebiet lagen 4,6 km Gleise. Im
Nagoldtal folgte die Teilstrecke von Calw nach Pforzheim am 30. Mai 1874. Bei Baukosten von 11,1 Millionen Mark entstanden bis Nagold neun Tunnel und
21 Brücken und auf badischem Territorium verlief die
Strecke auf 13,8 km.1
Beide Linien endeten auf separaten Gleisen neben dem Hauptbahnhof Pforzheim.
Diese Gleissituation hat sich im Grunde bis heute so
erhalten.
Solche Übergangsbahnhöfe mit getrennten Gleisen,
Bahnhöfen und Gebietshoheiten wurden häufiger
gebaut. Neben Pforzheim und Mühlacker traf dies
auch auf Eppingen und später auf Bretten zu. Bekannt ist auch der „Badische Bahnhof“ in Basel.
Selbstverständlich wurde in Württemberg der Bau
der Enz- und Nagoldbahn mit infrastrukturellen und
wirtschaftlichen Argumenten vorangetrieben, was
sicher auch seine Berechtigung hatte, wie anschließend noch ausgeführt wird. Aber für König Karl von
Württemberg, den Hof, die Adligen und wohlhabenden Bürger hatten die neuen Eisenbahnverbindungen einen riesigen Vorteil.
== Weblink ==
* [https://di0pda1wg490s.cloudfront.net/fileadmin/user_upload/archiv/pdf/archivmagazin_02-2015_online.pdf Archivmagazin Nr. 2015/2: Neues aus dem Stadtarchiv Pforzheim]

Version vom 20. Juni 2019, 13:54 Uhr

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