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Historismus: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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=== Neohistorismus ===
=== [[Neoklassizismus]] ===


Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20.&nbsp;Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[Neoklassizismus (Kunst)|Neoklassizismus]] ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff [[traditionelle Architektur]] Anwendung finden. Unter dem Begriff ''Neue Klassische Architektur'' bzw. ''Neuklassische Architektur'' ({{enS}} ''New Classical architecture'') werden hingegen beide Strömungen beschrieben. Bauliche [[Rekonstruktion (Architektur)|Rekonstruktionen]] werden in diesem Feld nicht erfasst, wirken aber mitunter auf die Entwicklung historisierender Architektur ein und die Übergänge können fließend sein.<ref> Katharina Brichetti: ''Das heilende Versprechen des Postmodernen Historismus. Historismus und Postmoderner Historismus im Vergleich''. In: [[INSITU (Zeitschrift)|INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte]] 1 (2/2009), S. 135–142. </ref>
Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20.&nbsp;Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[Neoklassizismus]] ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff [[traditionelle Architektur]] Anwendung finden.

Beeinflusst durch die [[Postmoderne (Architektur)|Postmoderne]] und den [[New Urbanism|Neuen Urbanismus]] entstehen vor allem seit den 1980er Jahren wieder Bauten und ganze Stadtviertel, die dem Ideal der ''Europäischen Stadt''<ref>[http://www.zlonicky.de/Dokumente%20Web/Europaeische%20Stadt.pdf Europäische Stadt]</ref> folgen und historische Bauformen aufleben lassen und diese teils weiterentwickeln.

Auch in verschiedenen regionalen Ausprägungen lebt die historistische Formensprache fort, so werden z.&nbsp;B. [[Bäderarchitektur|Bädervillen]] häufig stilistisch angelehnt an Vorbilder aus der [[Gründerzeit]] gebaut, mit verzierten [[Balkon]]en, [[Erker]]n, [[Veranda|Veranden]] und teils auch [[Ornament]]en.

An der [[University of Notre Dame]] in den USA gibt es mit der ''School of Architecture'' eine Architekturfakultät, die sich der Lehre der traditionellen bzw. [[Moderne (Architektur)|vormodernen]] Architektur und [[Stadtplanung]] verschrieben hat (u.&nbsp;a. im Sinne des Neuen Urbanismus) und den Neohistorismus mitentwickelt.<ref>[http://architecture.nd.edu/academics/ School of Architecture der University of Notre Dame] „Twenty years ago the curriculum was reformed to focus on traditional and classical architecture and urbanism.“</ref> Sie vergibt einmal jährlich den hochdotierten [[Driehaus-Architektur-Preis]].<ref>[http://architecture.nd.edu/about/driehaus-prize/ Driehaus-Architektur-Preis] (englisch)</ref> Die Londoner ''Foundation for Building Community'' von [[Charles, Prince of Wales|Prinz Charles]] treibt den weltweiten akademischen Diskurs in diesem Bereich ebenfalls voran.<ref>[http://www.princes-foundation.org/ Prince’s Foundation for Building Community] in London, eine Stiftung für neue historisierende Architektur</ref> Auch verschiedene Architekten und Architekturbüros lehren ihre Mitarbeiter die Formensprache des Historismus und früherer Stilepochen und lassen sie entsprechend inspirierte Entwürfe umsetzen, so z.&nbsp;B. [[Hans Kollhoff]], ''Patzschke Architekten Berlin'', [[Léon Krier]], [[Demetri Porphyrios]], [[Andrés Duany]], [[Michael Graves]], [[Pier Carlo Bontempi]] und [[Quinlan Terry]].

Beispiele für neohistoristische Architektur:<!--- alphabetisch nach Ort sortiert! --->

* [[Kathedrale von Brentwood]] in [[Brentwood (Essex)|Brentwood]], England, 1991
* [[St. Nikolai auf dem Wasser]] in [[Kiew]], Ukraine, 2004
* ''Schermerhorn Symphony Center'' in [[Nashville]], USA, 2006
* Kapelle des ''Thomas Aquinas College'' in [[Santa Paula]], USA, 2009
* [[Josefskapelle (Unterammergau)|Josefskapelle]] in [[Unterammergau]], Deutschland, 1991


== Historistische Architekten (Auswahl) ==
== Historistische Architekten (Auswahl) ==

Version vom 15. Februar 2019, 14:29 Uhr

Neobarock:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim.
Neobyzantismus: Thronsaal im Schloss Neuschwanstein.


Der Ausdruck Historismus bezeichnet in der Stilgeschichte ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte.

Stilistische Unterarten sind u. a. die Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance und der Neobarock. In seiner Spätphase entstand parallel der Jugendstil, den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Reformarchitektur, die später in die klassische Moderne mündete.

Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem Ersten Weltkrieg. Doch auch später wirkten historistische Motive nach (Neoklassizismus, sozialistischer Klassizismus, Heimatschutzarchitektur). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der Postmoderne wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als neohistoristisch bezeichnet.

Zeitraum

Da der Historismus in Mitteleuropa ab den 1850er Jahren größere Verbreitung erfuhr und es eine seiner ursprünglichen Funktionen war, die Repräsentationsbedürfnisse des in der Gründerzeit reich gewordenen Bürgertums zu befriedigen, wird er umgangssprachlich manchmal auch als Gründerzeitstil beziehungsweise Gründerzeitarchitektur bezeichnet.

Das Ende des Historismus beginnt mit dem Jugendstil um 1895, der zwar noch Ornamente verwendet, allerdings ohne jeglichen historischen Bezug. Gleiches gilt für den Expressionismus, der in der Architektur knapp nach dem Ersten Weltkrieg einsetzt. Beginnend mit der Reformarchitektur nach 1900 und verstärkt ab 1910 verbreiten sich dann zusehends weniger aufwändige, schließlich ornamentlose bzw. „funktionalistische“ oder „konstruktivistische“ Baustile, die in den 1920er Jahren dann hegemonial werden (s. Neues Bauen oder Neue Sachlichkeit). Dies entspricht einer wachsenden Neigung stilbildender Schichten, sich nun weniger aus Bezügen auf die eigene Geschichte zu legitimieren, sondern immer mehr durch Identifikation mit moderner Technik. Zu dieser Zeit kommt der Historismus in den Verliererstaaten zu einem abrupten Ende. In den Siegerstaaten, vor allem in den USA, oder in den am Krieg nicht beteiligten Ländern, etwa Spanien, lässt sich neben dem Neuen Bauen noch eine Nachblüte des Historismus bis in die 1950er Jahre feststellen.

Stile des Historismus

Neoromanik

Beispiele für die Neoromanik in Pforzheim ist die Liebfrauenkirche an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein.

Neogotik

Beispiele für die Neogotik in Pforzheim waren die Evangelische Stadtkirche (1899-1962) sowie der neogotische Altar in der Franziskanerkirche von 1854 mit Kreuzigungszene von dem Bildhauer Ferdinand Rieß aus Schwäbisch Gmünd.

Neorenaissance

Beispiele für die Neorenaissance in Pforzheim sind das Alte Rathaus sowie die Alte Kunstgewerbeschule.

Neomanierismus

Der Neomanierismus war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt Christoph Timm: " Ketterers Schlosskeller bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt."

Neobarock

Der Neobarock bzw. Neubarock kam vor allem im Späthistorismus ab 1890 verstärkt auf. Das Zeitalter des Barock, der adelig geprägte Absolutismus, galt als der Höhepunkt weltlich-monarchischer Macht, weshalb man staatliche Bauten gerne in diesem Stil errichtete.

Der Neobarock findet in der Pariser Oper, dem Brüsseler Justizpalast sowie der Neuen Hofburg in Wien und im Schloss Herrenchiemsee in Bayern seine Höhepunkte.

Neorokoko

In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der Villa Beckh und des Schlosskellers die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko, verwendet. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt.

Neomaurischer Stil oder Orientalisierender Historismus

Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind:

Neoklassizismus

Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu neohistoristischen Strömungen, die sich unter anderem im Neoklassizismus ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff traditionelle Architektur Anwendung finden.

Historistische Architekten (Auswahl)

Literatur

  • Dieter Dolgner: Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900. (= Deutsche Baukunst). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0.
  • Hans Gerhard Evers: Vom Historismus zum Funktionalismus. (= Kunst der Welt. Die Kulturen des Abendlandes). Holle Verlag, Baden-Baden 1967, Vorlage:DNB. (1976, ISBN 3-87355-121-7).
  • Hans Gerhard Evers: Versuch einer Ehrenrettung des Historismus. In: Das Kunstwerk. 16, 1963, S. 2–4.
  • Hans Gerhard Evers: Historismus und bildende Kunst. In: Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif. (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts. 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: Schriften. Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers).
  • Nikolas Werner Jacobs: Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden. In: Tobias Möllmer (Hrsg.): Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts. Festschrift zum 75. Geburtstag von Wolfgang Brönner. Basel 2015, S. 372–385.
  • Eva-Maria Landwehr: Kunst des Historismus. Böhlau Verlag (UTB), Köln/ Weimar/ Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3645-8.
  • Klaus F. Müller: Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil. Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8.

Weblinks

 Commons: Historistische Architektur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Historismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Historismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.