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'''Euthanasie''' war ab [[1939]] die Bezeichnung für den Mord an Behinderten. |
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| ⚫ | Euthanasie, verschleiernder Begriff für "Sterbehilfe" oder "Gnadentod", begann bezeichnenderweise am [[1. September]] 1939, am Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen, mit einem Geheimbefehl Adolf Hitlers. Der Zusammenhang zwischen Eroberungskrieg und "Euthanasie" ist aus der Sicht des NS-Regimes ein wirtschaftlicher, nämlich die Beseitigung "unnützer Esser". |
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| ⚫ | Euthanasie, verschleiernder Begriff für "Sterbehilfe" oder "Gnadentod" |
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== Opfer in Pforzheim == |
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| ⚫ | Bis [[2005]] war nur den Akten der Friedhofsverwaltung zu entnehmen, dass 30 der Steine des Denkmals für die Opfer des Nazi-Regimes an Opfer der [[Euthanasie]]–Mordaktion erinnern, denn das Todesjahr ist [[1940]] und als „Todes“-Orte sind sechzehnmal Grafeneck und jeweils siebenmal Hartheim und Sonnenstein aufgeführt, jeweils Anstalten für Behinderte, ab 1940 durch das NS-Regime zu Mordstätten umfunktioniert. |
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Das Denkmal ist eine Metallplastik mit abstrahierten Figuren zwischen liegenden Stäben auf einem Steinsockel mit der Umschrift: „1933 – 1945 / DEN OPFERN DER / GEWALT UND RECHTLOSIGKEIT / ZUM GEDENKEN“. |
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Die jüngsten Opfer der Euthanasiemorde aus Pforzheim bzw. Spöck waren mit acht, zwölf und 13 Jahren noch Kinder, die älteste Ermordete war 66 Jahre alt. |
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| ⚫ | Für die weiteren elf ursprünglich genannten Opfer sind als Todesorte genannt: viermal Konzentrationslager Brandenburg, dreimal Konzentrationslager Dachau, zweimal Konzentrationslager Auschwitz und je einmal KZ Bergen-Belsen und Oranienburg. [[Karl Bührer]], für den [[1993]] ein Stein ergänzt wurde, "starb" Ende [[1942]] im Zuchthaus Brandenburg. |
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Umgeben ist das Mahnmal von 40 Kissensteinen mit 41 Namen von Opfern des Faschismus aus Pforzheim und Umgebung. 1993 kam auf Initiative von [[Karl Schroth]] ein zusätzlicher Stein für [[Karl Bührer]], einen Gegner des NS-Regimes, hinzu. |
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Unklar ist, ob die Anlage eine symbolische Ruhestätte oder ein Urnengräberfeld ist: Nach Pätzold sind „''hier die Urnen von 111 in KZ oder ‚Heilanstalten’ umgebrachten Pforzheimern beigesetzt“''1, laut Pforzheimer Zeitung sind hier ''„die sterblichen Reste jener beigesetzt, die ihr Leben unter der Gewaltherrschaft des ‚Dritten Reiches’ verloren haben“''2, laut „Studienkreis: Deutscher Widerstand“ handelt es sich um ''„eine symbolische Ruhestätte“''3. |
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Außer Namen und Lebensdaten befinden sich keine weiteren Angaben zu den Schicksalen auf den inzwischen z. T. unleserlichen Steinen, nur ein stilisierter Stacheldraht verweist Betrachter auf mögliche Art und Orte der Verbrechen. Veröffentlichungen von 1995 bzw. 2000, in denen das Denkmal immerhin vorkommt, sagen ebenfalls nichts darüber, um wie viele und welche Opfer des Faschismus es sich bei den auf den Steinen Genannten handelt. |
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| ⚫ | Bis 2005 war nur den Akten der Friedhofsverwaltung zu entnehmen, dass 30 der Steine an Opfer der |
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| ⚫ | Für die weiteren elf ursprünglich genannten Opfer sind als Todesorte genannt: viermal Konzentrationslager Brandenburg, dreimal Konzentrationslager Dachau, zweimal Konzentrationslager Auschwitz und je einmal KZ Bergen-Belsen und Oranienburg. Karl Bührer, für den 1993 ein Stein ergänzt wurde, starb Ende 1942 im Zuchthaus Brandenburg. |
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1991 kritisierte der „Studienkreis: Deutscher Widerstand“, dass mit der Anlage „''die Spuren der Euthanasiemorde eher verwischt“'' 4 wurden, denn die Zahl der Opfer des Faschismus in Pforzheim ist weit höher als die auf den Steinen genannte, über die Jahre sind neun Zehntel der Opfer „verschwunden“: |
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* im Protokoll des Grabdenkmäler-Ausschusses vom Februar 1958 ist von „etwa 320 Opfern“ die Rede, |
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* 1965 nennt das Regierungspräsidium immerhin noch 127 Grabstätten unter dem Stichwort „lebensunwertes Leben“ auf dem Hauptfriedhof, |
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* übrig geblieben sind 30 Erinnerungstafeln für Opfer des Euthanasie-Mordprogramms. |
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Ob die laut Akten des Friedhofsamtes in der Anstalt Sonnenstein Ermordeten tatsächlich dort umgebracht wurden, ist nach einer Mitteilung der Gedenkstätte Sonnenstein fraglich; gleiches gilt für die in Hartheim Ermordeten; „es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Opfer der Tötungsanstalt Grafeneck“ (Auskunft der Gedenkstätte Sonnenstein). |
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Handlungsbedarf besteht in der Renovierung der unleserlichen Platten, |
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in der Ergänzung der Todesorte, damit überhaupt deutlich wird, von welchen Verbrechen dieses Mahnmal zeugt, |
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und in weiteren Forschungen über Zahl, Namen und Schicksale dieser Opfer des Faschismus. |
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* Pforzheimer Zeitung 22.11.1965 |
* Pforzheimer Zeitung 22.11.1965 |
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* Studienkreis: Deutscher Widerstand (HRSG), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933 – 1945, Bd. 5, Bad.-Württ.I, Frankfurt/M., 1991 |
* Studienkreis: Deutscher Widerstand (HRSG), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933 – 1945, Bd. 5, Bad.-Württ.I, Frankfurt/M., 1991 |
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* Timm |
* [[Christoph Timm]], Der Pforzheimer Hauptfriedhof, Ubstadt-Weiher, 1995 |
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== Quellen == |
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1 Groh, Großgrabstätten, S.57 |
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2 Pforzheimer Zeitung 22.11.1965 |
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3 Studienkreis, S. 112 |
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4 dito |
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[[Kategorie:Nationalsozialismus]] |
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5 Metzinger, s.o. |
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Aktuelle Version vom 4. März 2009, 19:42 Uhr
Euthanasie war ab 1939 die Bezeichnung für den Mord an Behinderten.
Begriff
Euthanasie, verschleiernder Begriff für "Sterbehilfe" oder "Gnadentod", begann bezeichnenderweise am 1. September 1939, am Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen, mit einem Geheimbefehl Adolf Hitlers. Der Zusammenhang zwischen Eroberungskrieg und "Euthanasie" ist aus der Sicht des NS-Regimes ein wirtschaftlicher, nämlich die Beseitigung "unnützer Esser".
Über Durchführung und Opfer der Euthanasie-Mordaktion aus Pforzheim ist noch wenig bekannt, nur das Denkmal für die Opfer des Nazi-Regimes auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim erinnert an dieses tabuisierte Kapitel der nationalsozialistischen Verbrechensgeschichte.
Opfer in Pforzheim
Bis 2005 war nur den Akten der Friedhofsverwaltung zu entnehmen, dass 30 der Steine des Denkmals für die Opfer des Nazi-Regimes an Opfer der Euthanasie–Mordaktion erinnern, denn das Todesjahr ist 1940 und als „Todes“-Orte sind sechzehnmal Grafeneck und jeweils siebenmal Hartheim und Sonnenstein aufgeführt, jeweils Anstalten für Behinderte, ab 1940 durch das NS-Regime zu Mordstätten umfunktioniert. Die jüngsten Opfer der Euthanasiemorde aus Pforzheim bzw. Spöck waren mit acht, zwölf und 13 Jahren noch Kinder, die älteste Ermordete war 66 Jahre alt.
Für die weiteren elf ursprünglich genannten Opfer sind als Todesorte genannt: viermal Konzentrationslager Brandenburg, dreimal Konzentrationslager Dachau, zweimal Konzentrationslager Auschwitz und je einmal KZ Bergen-Belsen und Oranienburg. Karl Bührer, für den 1993 ein Stein ergänzt wurde, "starb" Ende 1942 im Zuchthaus Brandenburg.
Aus einer Liste der Anstalt Hub bei Rastatt, die erst vor einigen Jahren aufgetaucht ist, gehen 79 Namen von Opfern hervor, die, aus dem „Unterstützungswohnsitz“ Pforzheim stammend, 1940 von der Anstalt Hub in die Euthanasie-Mordanstalt Grafeneck transportiert und dort umgebracht wurden.
Literatur
- Akten des Garten- und Friedhofsamts Pforzheim, Ordner/Titel: Ehrengrabfeld Opfer des Nationalsozialismus (unveröffentlicht)
- Groh, Christian, Das war das 20. Jahrhundert in Pforzheim, Gudensberg-Gleichen, 2000
- Groh, Christian, Großgrabstätten, in: Pätzold, Stefan (HRSG), Ein Park bevölkert von Engeln, Heidelberg, Ubstadt-Weiher, 2005
- Metzinger, Adalbert, Den Euthanasie-Opfern einen Namen geben, Die Ermordung von Patienten der Anstalt Hub, in: Heimatbuch 2002, Landkreis Rastatt
- Pforzheimer Zeitung 22.11.1965
- Studienkreis: Deutscher Widerstand (HRSG), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933 – 1945, Bd. 5, Bad.-Württ.I, Frankfurt/M., 1991
- Christoph Timm, Der Pforzheimer Hauptfriedhof, Ubstadt-Weiher, 1995