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Villa rustica Altes Schloss: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Die '''Villa rustica Altes Schloss''' (''Villa rustica Brötzingen'', oft nur "Altes Schloss") ist eine [[Villa rustica]] beim Ortsteil [[Arlinger]] zu [[Brötzingen]].
[[Datei:Mittelsberg-Villa rustica Altes Schloss.jpg|thumb|ungefähre Lage und Umrisse der Villa rustica Altes Schloss am Mittelsberg]]
Die '''Villa rustica Altes Schloss''' (''Villa rustica Mittelsberg/Brötzingen'', oft nur "Altes Schloss") ist eine [[Villa rustica]] beim [[Pforzheim]]er Stadtteil [[Arlinger]] zu [[Brötzingen]].


== Entstehung und Aufbau ==
== Entstehung und Aufbau ==


Man vermutet eine Bewohnung der Ville von um 90 n. Chr. bis zum Limesfall von 263. Der Gutshof befand sich an der Heerstraße von [[Baden-Baden]] nach [[Canstatt]]. Ebenfalls am Mittelsberg befindet sich ein Straßendamm sowie eine Nachbildung einer Furt über die Enz ([[Römerstraße]]).
Man vermutet eine Bewohnung der Ville von um 90 n. Chr. bis zum Limesfall von 263. Der Gutshof befand sich an der Heerstraße von [[Baden-Baden]] nach Canstatt. Ebenfalls am Mittelsberg befindet sich ein Straßendamm sowie eine Nachbildung einer Furt über die Enz ([[Römerstraße]]).


Insgesamt ist die Villa ca. 1 Hektar groß. Die Umfassungsmauer wurde trapezförmig angelegt und ist 81 + 91 + 95 + 147 m lang. Innerhalb der Umfassungsmauer sind drei Gebäude und ein Badehaus dokumentiert.
Insgesamt ist die Villa circa 1 Hektar groß. Die Umfassungsmauer wurde trapezförmig angelegt und ist 81 + 91 + 95 + 147 Meter lang. Innerhalb der Umfassungsmauer sind drei Gebäude und ein Badehaus dokumentiert.


== Ausgrabung und Funde ==
== Ausgrabung und Funde ==


Die Villa rustica wurde im Juli [[1882]] vom Pforzheimer Architekten [[Alfred Waag]] (1845-1890) bei Ausgrabungen am Bau der [[Dietlinger Straße]] entdeckt. Dabei stieß er zunächst auf das Badehaus. Neben Kleinfunden wie Tonscherben, Waffen oder Schmuck fand man ein Sandstein-Relief, welche die römische Göttin Fortuna darstellen soll. Diesbezüglich schrieb 1882 der "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit":
Die Villa rustica wurde im Juli [[1882]] vom Pforzheimer Architekten [[Alfred Waag]] (1845-1912) bei Ausgrabungen am Bau der [[Dietlinger Straße]] entdeckt. Dabei stieß er zunächst auf das Badehaus. Neben Kleinfunden wie Tonscherben, Waffen oder Schmuck fand man ein Sandstein-Relief, welche die römische Göttin Fortuna darstellen soll.


Diesbezüglich schrieb 1882 der "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit":
:"Karlsruhe, 22. Juni. In der Nähe von Brötzingen bei Pforzheim ist man im Waldabhang an der neuen Straße gegen Dietlingen in der letzten Woche auf einen Komplex römischer Mauerreste gestoßen, welche genauerer Untersuchung entgegengehen. In dem Schutt eines kleinen, viereckigen, mit starken Mauern umgebenen Gelasses fand sich das 52 cm hohe und 26 cm breite Sandstein-Relief einer weiblichen Gewandfigur umgestürzt und in zwei Stücke zerbrochen. Die Figut, welche als Fortuna anzusehen sein wird, sitzt auf einem Throne und hält in der Linken ein Füllhorn, während sie die Rechte auf ein Steuerruder stützt, vor welches ein Rad gesetzt zu sein scheint. An dem mit einem beiderseits herabhängenden Schleier bedeckten Haupte ist leider das Gesicht abgeschlagen. Das Relief ist von der Gemeinde Brötzingen der großen Alterthumshalle als Geschenk übergeben worden."


:"Karlsruhe, 22. Juni. In der Nähe von Brötzingen bei Pforzheim ist man im Waldabhang an der neuen Straße gegen [[Dietlingen]] in der letzten Woche auf einen Komplex römischer Mauerreste gestoßen, welche genauerer Untersuchung entgegengehen. In dem Schutt eines kleinen, viereckigen, mit starken Mauern umgebenen Gelasses fand sich das 52 cm hohe und 26 cm breite Sandstein-Relief einer weiblichen Gewandfigur umgestürzt und in zwei Stücke zerbrochen. Die Figut, welche als Fortuna anzusehen sein wird, sitzt auf einem Throne und hält in der Linken ein Füllhorn, während sie die Rechte auf ein Steuerruder stützt, vor welches ein Rad gesetzt zu sein scheint. An dem mit einem beiderseits herabhängenden Schleier bedeckten Haupte ist leider das Gesicht abgeschlagen. Das Relief ist von der Gemeinde Brötzingen der großen Alterthumshalle als Geschenk übergeben worden."
In Brötzingen fand man bereits zuvor römische Reliefe. Bis 1818 waren drei römische Götterreliefe in der Brötzinger Kirche eingemauert und schon 1753 wurde in der Nähe beim Hammerwerk ein römischer Inschriftenstein entdeckt.


In Brötzingen fand man bereits zuvor römische Reliefe. Bis 1818 waren drei römische Götterreliefe in der Brötzinger Kirche eingemauert und schon [[1753]] wurde in der Nähe beim Hammerwerk ein römischer Inschriftenstein entdeckt.


== Lage und Zustand ==
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Der Gutshof befindet sich am Waldabhang des [[Mittelsberg]]s beim [[Arlinger]]. Nach den Grabungen beschloss man, die Villa nicht zu erhalten, sondern wieder zuzuschütten. Umrisse sind heute noch zuerkennen.


==Umliegende Funde==
In der Kirche waren drei Viergöttersteine verbaut.<ref>Wagner (1911): Fundstätten in Baden, S.128ff</ref>


Im September [[1986]] wurde beim Umbau der Pfarrscheune in der [[Kirchenstraße (Pforzheim)|Kirchenstraße]] ein römischer Inschriftstein gefunden, welcher im Gemäuer verbaut war. Der Text lautet:<ref>Fundbericht aus Baden-Württemberg 13 (1988), 433ff.</ref>
Am Hang des Mittelsberg befinden sich ausgedehnte archäologischen Fundstellen einer villa rustica. Auf etwa einem Hektar sind noch viele verstürtzte Mauerreste und Schutthügel zu erkennen. 1882 ist die Freilegung eines Badehauses dokumentiert. Eine Konservierung fand aber nicht statt, so daß heute die genaue Lage nicht mehr bekannt ist.


"[---] Paternu(s) | < (centurio) leg(ionis) VIII Aug(ustae) | et Iul(ia) Emerita | uxor ambo ex | Pannon(ia) sup(eriore) | l(ibentes) l(aeti) m(erito)"
zurück zum Enztalradweg und diesem in Ri. Pforzheim-Zentrum folgen - einige Kilometer durch die Stadt fahren - hinter der Feuerwache am Messplatz gabelt sich der Enztalradweg - an der Gabelung rechts durch die Unterführung Ri. Brötzingen fahren - am Kanal entlang geradeaus - rechts an der Fa. Zimmermann vorbei bis zur Kirchenstraße - links, dann nächste Straße rechts bergan (Büchenbronner Straße) - am Ende links auf die Westliche-Karl-Friedrich-Str. - an der Bahnunterführung rechts (Habermehlstr. - am besten auf dem Gehweg schieben) - hinter der Unterführung geradeaus auf die Dietlinger Straße - dieser folgen - nach ca. 500 m beginnt rechts eine Straße parallel zu Dietlinger Str. (nicht als Radweg ausgezeichnet) - dieser Straße folgen - am Ende geht es kurz steil bergan - am Ende links - dem Straßenverlauf folgen, anfangs Asphalt, dann Kiesweg in den Wald hinein - am Waldende rechts bergan (Schützenhaus Brötzingen) - 1. Kreuzung links - unterhalb eines am Waldrand gelegenen Parkplatzes geradeaus weiter - der Weg verläuft fast schnurgerade auf der Trasse der ehemaligen Römerstraße Cannstatt-Ettlingen (Besichtigungspunkt 6)

''"[---] Pateruns, Centurio der 8.Legion Augusta, und seine Frau Julia Emerita, beide aus Ober-Pannonien, gerne, freudig, für erwiesene Wohltat."

Laut Erzählungen sollen beim Umbau der Pfarrscheune im 18. Jahrhundert die Bauern Steine der Villa rustica am Mittelsberg gebracht haben. Da sowohl die Kirche als auch die Pfarrscheune während der Barockzeit umgebaut wurden, könnten alle besagten Steine zum gesagten Areal gehört haben.


==Quellen==
<references/>

[[Kategorie:Brötzingen]]
[[Kategorie:Villa rustica]]
[[Kategorie:Gebäude (Pforzheim)]]
[[Kategorie:Abgegangenes Bauwerk]]

Aktuelle Version vom 24. April 2020, 13:42 Uhr

ungefähre Lage und Umrisse der Villa rustica Altes Schloss am Mittelsberg

Die Villa rustica Altes Schloss (Villa rustica Mittelsberg/Brötzingen, oft nur "Altes Schloss") ist eine Villa rustica beim Pforzheimer Stadtteil Arlinger zu Brötzingen.

Entstehung und Aufbau

Man vermutet eine Bewohnung der Ville von um 90 n. Chr. bis zum Limesfall von 263. Der Gutshof befand sich an der Heerstraße von Baden-Baden nach Canstatt. Ebenfalls am Mittelsberg befindet sich ein Straßendamm sowie eine Nachbildung einer Furt über die Enz (Römerstraße).

Insgesamt ist die Villa circa 1 Hektar groß. Die Umfassungsmauer wurde trapezförmig angelegt und ist 81 + 91 + 95 + 147 Meter lang. Innerhalb der Umfassungsmauer sind drei Gebäude und ein Badehaus dokumentiert.

Ausgrabung und Funde

Die Villa rustica wurde im Juli 1882 vom Pforzheimer Architekten Alfred Waag (1845-1912) bei Ausgrabungen am Bau der Dietlinger Straße entdeckt. Dabei stieß er zunächst auf das Badehaus. Neben Kleinfunden wie Tonscherben, Waffen oder Schmuck fand man ein Sandstein-Relief, welche die römische Göttin Fortuna darstellen soll.

Diesbezüglich schrieb 1882 der "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit":

"Karlsruhe, 22. Juni. In der Nähe von Brötzingen bei Pforzheim ist man im Waldabhang an der neuen Straße gegen Dietlingen in der letzten Woche auf einen Komplex römischer Mauerreste gestoßen, welche genauerer Untersuchung entgegengehen. In dem Schutt eines kleinen, viereckigen, mit starken Mauern umgebenen Gelasses fand sich das 52 cm hohe und 26 cm breite Sandstein-Relief einer weiblichen Gewandfigur umgestürzt und in zwei Stücke zerbrochen. Die Figut, welche als Fortuna anzusehen sein wird, sitzt auf einem Throne und hält in der Linken ein Füllhorn, während sie die Rechte auf ein Steuerruder stützt, vor welches ein Rad gesetzt zu sein scheint. An dem mit einem beiderseits herabhängenden Schleier bedeckten Haupte ist leider das Gesicht abgeschlagen. Das Relief ist von der Gemeinde Brötzingen der großen Alterthumshalle als Geschenk übergeben worden."

In Brötzingen fand man bereits zuvor römische Reliefe. Bis 1818 waren drei römische Götterreliefe in der Brötzinger Kirche eingemauert und schon 1753 wurde in der Nähe beim Hammerwerk ein römischer Inschriftenstein entdeckt.

Lage und Zustand

OpenStreetMap
OpenStreetMap
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Der Gutshof befindet sich am Waldabhang des Mittelsbergs beim Arlinger. Nach den Grabungen beschloss man, die Villa nicht zu erhalten, sondern wieder zuzuschütten. Umrisse sind heute noch zuerkennen.

Umliegende Funde

In der Kirche waren drei Viergöttersteine verbaut.[1]

Im September 1986 wurde beim Umbau der Pfarrscheune in der Kirchenstraße ein römischer Inschriftstein gefunden, welcher im Gemäuer verbaut war. Der Text lautet:[2]

"[---] Paternu(s) | < (centurio) leg(ionis) VIII Aug(ustae) | et Iul(ia) Emerita | uxor ambo ex | Pannon(ia) sup(eriore) | l(ibentes) l(aeti) m(erito)"

"[---] Pateruns, Centurio der 8.Legion Augusta, und seine Frau Julia Emerita, beide aus Ober-Pannonien, gerne, freudig, für erwiesene Wohltat."

Laut Erzählungen sollen beim Umbau der Pfarrscheune im 18. Jahrhundert die Bauern Steine der Villa rustica am Mittelsberg gebracht haben. Da sowohl die Kirche als auch die Pfarrscheune während der Barockzeit umgebaut wurden, könnten alle besagten Steine zum gesagten Areal gehört haben.


Quellen

  1. Wagner (1911): Fundstätten in Baden, S.128ff
  2. Fundbericht aus Baden-Württemberg 13 (1988), 433ff.