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Otto Riehm

Von Stadtwiki

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Gertrud (*1893 – †1983) und Otto Riehm (*1891 – †1978) waren Gegner des NS-Regimes und halfen, das jüdische Ehepaar Krakauer zu retten


Pfarrer Otto Riehm und seine Frau Gertrud geb. Meerwein stammen beide aus badischen Pfarrersfamilien. Sie stehen der Weimarer Republik eher distanziert gegenüber und sind verbunden mit der kirchlichen Erweckungsbewegung des 19.Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Leben

ab 1933:

Im Herbst 1933 übernimmt Otto Riehm die Pfarrstelle in Ispringen. Er gerät rasch in Konflikt mit den neuen Machthabern, die mittels der NSDAP-nahen „Deutschen Christen“ die evangelische Kirche gleichschalten und den „Arierparagrafen“, in seinem Fall den Ausschluss aller nichtarischen Pfarrer aus dem kirchlichen Dienst, durchsetzen wollen. Otto Riehm schließt sich der „Bekennenden Kirche“ an, dies bringt ihm die Überwachung durch die Gestapo ein, ihre Spitzel überwachen die Predigten und schreiben mit, zumal er sich weigert, den Eid auf Adolf Hitler abzulegen. 1937 wird der „Evangelische Gemeindebote für Ispringen und Ersingen“ unter Vorzensur gestellt, „um staatsfeindliche Angriffe gegen das nationalsozialistische Reich zu verhindern“.

Bei Hausdurchsuchungen fahndeten die braunen Schergen nach Schriften der Bekennenden Kirche über den inhaftierten Pfarrer Niemöller. 1939 muss Otto Riehm wegen deren Verbreitung vor dem Sondergericht Mannheim erscheinen. Er entgeht der bereits ausgesprochenen Gefängnisstrafe nur durch eine Amnestie anlässlich des Kriegsbeginns.


ab 1944:

Ende April 1944 erhält Otto Riehm in Ispringen von seinem Kollegen Otto Mörike aus Flacht eine geheime Nachricht, die ihm "Gäste" ankündigt, ein Ehepaar aus Berlin, das seit 15 Monaten auf der Flucht ist. Zuerst kommt nur der Mann, Max Krakauer, erschöpft, zermürbt, hoffnungslos, dann bringt Pfarrer Dipper aus Reichenbach an der Fils die Frau, Ines Krakauer, ins Ispringer Pfarrhaus. Das jüdische Ehepaar hat zu diesem Zeitpunkt schon 20 Fluchtstationen in Berlin und 18 Stationen in Württemberg hinter sich, nachdem es am 29. Januar 1943 in Berlin untergetaucht war, um der Verfolgung zu entgehen.

Nach der Rettung über 43 Stationen in Baden-Württemberg schreibt Max Krakauer ein Buch mit dem bezeichnenden Titel "Lichter im Dunkel": "Zwei Wochen weilten wir im Haus des Pfarrers Riehm, zwei Wochen voller Harmonie auch mit den über uns eingeweihten erwachsenen Kindern... Was uns die Besinnung nahm, war die Vorstellung, daß wir auch die Ispringer Pfarrersfamilie in den Abgrund reißen würden, gar nicht zu denken an die endlose Kette unserer früheren Helfer." Die Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1944 verbringt das Ehepaar in einem Kinderheim in Pforzheim. Am 25. April wird das Ehepaar Krakauer in Stetten im Remstal von amerikanischen Truppen befreit. Nach 27 Monaten Flucht und 66 Asylstationen schreibt Max Krakauer: "Wir danken auch all den vielen Menschen, die um unseretwillen Freiheit und Leben aufs Spiel setzten, unseretwegen, die sie vorher nie gesehen noch gekannt...".


nach 1945:

Heinrich Riehm, der älteste Sohn des Ehepaars, kommentierte 2002 das Verhalten seiner Eltern: „Dem Unrecht gegenüber musste widerstanden werden und hinterher groß darüber zu reden war nicht ihre Sache“.

Ehrungen

Am 16. Oktober 2002 erhielt die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in Ispringen den Namen Otto-Riehm-Schule.


Literatur

Gerhard Brändle Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim, Pforzheim, 1985

Gerhard Brändle Gegen das Vergessen, Mut zum Widerstand – auch im Enzkreis, in: Der Enzkreis, Jahrbuch 6, Hrsg.: Landratsamt Enzkreis, Pforzheim, 1995

Max Krakauer Lichter im Dunkel, Stuttgart, 1975/1991 Pforzheimer Kurier 17.3.1994 und 19.10.2002

Heinrich Riehm Aus dem Leben meines Vaters, Ispringen, 2002 (unveröffentlicht)

Weblinks

www.alemannia-judaica.de/max_krakauer.htm (dort unter Suche: Riehm)

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