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Mühlhausen am Brühl

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Mühlhausen am Brühl ist eine Wüstung auf Gemarkung des Teilorts Ölbronn, von der Gemeinde Ölbronn-Dürrn, im nördlichen Enzkreis.

Das Dorf Mühlhausen (am Brühl) wurde unter dem Namen Mulinhusen erstmals um 790 im Lorscher Codex erwähnt. Im Jahr 892 fand die letzte Erwähnung statt. Es ist aus Aufzeichnungen bekannt, daß das Dorf mindestens drei Mühlen hatte und Kirchort war. Ölbronn ist als Nachfolgesiedlung für das vermutlich 926 beim Einfall der Ungarn zerstörte Dorf Mühlhausen anzusehen.

Zwischen dem Kloster Maulbronn und dem Ritter Konrad von Straubenhardt, die Ruinen der Burg Straubenhardt liegen südwestlich von Neuenbürg auf einem Vorsprung über der Enz, war ein Streit ausgebrochen wegen des Zehnten in den Marken Mühlhausen und Bauschlott, der 1244 von Bischof Konrad von Speyer geschlichtet wurde. Dieses Mühlhausen ist wohl aufgrund von Ortsbeschreibungen der gleiche Ort, wie das 883 mit Dagelvingen im Codex Laureshamensis erwähnte Mühlhausen.

Inhaltsverzeichnis

Erwähnungen

Lorscher Codex

Jahr Schenker erwähnte Orte Objekt
769 Ratbaldi in pago Enzigowe in Mulnen (?) alles was er hat
789/790 Autbertus Mulinhusen, Albincheim, Hadandesheim Hofreiten, Feldern, Wiesen, Wälder, Wohn- und Wirtschaftsbauten, 7 Leibeigene
792 Suanabaldus Albincheim, Hadandesheim, Mulinhusen Hofreiten, Felder, Wiesen, Wälder, Gewässer, 7 Leibeigene
801 Priester Turinbertus Mulnhusen Anteile an der Kirche "Zum Heiligen Kreuz"
826 Priester Suanabaldus Mulnhusen, Hadoltesheim, Alaholfingen Höfe, Ländereien, Wiesen, Wälder, Gebäude und Häuser, 13 Leibeigene
843 Orther Mulnhusen, Cnudelingen 1 Hofstatt mit Wohnungen, Gebäude udn Gehegen; 30 Morgen Land und Wiesen mit Häusern, Äcker, Wälder, Wiesen und Gewässer
861 Turinbert mit Humbert Mulnhusen 4 Tagewerke im Dorf, 45 Tagewerke Ackerland, 22 Tagewerke rodfähiges Land
883 Ernst Mulnen, Ecgerateswilre, Muzboumen, Mulhusen, Dagolvingen 5 Huben in Mulnen, 1/2 Hube in Mulhusen
891/892 Wolbrant Mulinhusen, Lenginveld, Sarawasheim, Gumboldeshusen, Hadardesheim 4 Höfe und 4 Hofreiten

Spätere Nennungen

Theorien zur Lage

Da die genaue Lage nicht belegt ist, haben sich mehrere Theorien entwickelt, von denen sich die letztere am ehesten durchgesetzt hat.

Westlich von Elfingen

Wüstungsforscher des ausgehenden 19. Jahrhunderts gingen meist davon aus, dass Mühlhausen zwischen Elfingen, Ölbronn und Kleinvillars zu suchen sei.[1][2][3] Diese Annahme basierte anhand dem Hinweis aus dem Lorscher Codex, dass Mühlhausen eine gemeinsame Gemarkungsgrenze mit Knittlingen besaß.

Maulbronn

Der Schreiber des KRW Anfang des 20. Jahrhunderts ging davon aus, dass es sich bei Mulinhusen um die Vorgängersiedlung Maulbronns (1147 Mulenbrunnen) handelt, nach dessen Wüstwerdung nur noch der der Dorfbrunnen übrig blieb, an dem man letztlich das Kloster errichtete.[4] [5] Dagegen spricht eindeutig die Urkunde von 1244. Darin wird Mühlhausen als "am Fuße des Berges Eichelberg" beschrieben und weitere Anhaltspunkte genannt, die darauf hindeuten, dass der Ort östlich von Bauschlott auf heutiger Ölbronner Gemarkung liegt. Des Weiteren leitet sich etymologisch der Name Maulbronn nicht von Mühlenbrunnen ab, sondern von Maultierbrunnen.[6]

Mäulbronn

Der Lokalhistoriker Karl Weisert (1968) interpretiert in dem Flurnamen Mäulbronn südlich von Knittlingen die restlichen namentlichen Überreste von Mühlhausen. Er argumentiert, dass in den Weißenburger Quellen "Knittlingen mit Weißach und Mühlhausen" aufgeführt wird und dass es in den Lagerbüchern aus dem 16./17. Jahrhundert "zu Mulbronn, Milbronn, Mäulbronn oder Maulbronn" oder auch "Mäulbronner Weg" heißt, was auf einen abgegangenen Ort hindeutet. Seiner Meinung nach wäre demnach Mühlhausen pfarrrechtlich und die Markung großteils an Knittlingen gefallen. Das heilige Kreuzaltar in Knittlingen stamme somit wohl aus der heiligen Kreuzkirche zu Mühlhausen.[7]

Kritisch zu sehen ist, dass etymologisch ein neuhochdeutsches -äu- aus einem mittelhochdeutschen langen -ü- hervorgegangen ist. Das -ü- in Mühle stammt jedoch aus einem kurzem -u- mit einen -i- in der Folgesilbe. Damit ist wohl Mäul- kein Überbleibsel von "Mühlhausen". Zweitens ist nicht eindeutig, welche Weißenburger Text-Stelle Weisert mit "Knittlingen mit Weißach und Mühlhausen" meint, da diese so nicht in den Weißenburger Quellen auftaucht.

Mühlau

Der Lokalforscher Michael Walter (1925) interpretiert im Flurnamen Mühlau, nördlich von Dürrn, eine direkte Verbindung mit dem abgegangenen Wohnplatz.[8] Der Historiker Rüdiger Stenzel hält auch den Südhang des Eichelbergs als Standort für möglich und betont die merkwürdige "Verzahmung" der Gemarkungen von Ölbronn, Dürrn und Bauschlott. Des Weiteren betont er, dass es bis ins 18. Jahrhundert südlich des Erlenbaches eine sogenannte Au-Mühle gab, die auf Kameralwiesen stand (Kameralgut = unmittelbar dem Fürsten unterstelltes Gut). Diese könnte seiner Meinung nach einst zu Mühlhausen gehört haben und aufgrund des Wüstwerdens eine "Sonderposition" eingenommen haben.[9] Weiter westlich der Flur Mühlau findet sich zudem die Flure Hofwiesen und Brühl, welche auf einen frühmittelalterlichen Herrenhof bzw. Herrenhofwiesen hindeuten. Diese Ansicht setzte sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch und wurde auch vom Archäologen A. Dauber[10] vertreten sowie vom Wirtembergischen Urkundenbuch IV[11] und vom Bauschlotter Heimatbuch von 1971[12].

Gegen diese Lokaliserung spricht:

nordwestlich von Ölbronn

Die erste Vermutung über eine Lokalisierung Mühlhausens in der Nähe von Kleinvillars wurde 1975 von Hans-Rudolf Schömmel publisziert. Als Hinweis diente ihm der dortige gar doppelte Flurname "Brühl" sowie der Brunnen und die antiken Baureste in den "Haselwiesen". Johannes Haßpacher kam 1982 bei seinen ausführlicheren Untersuchungen zum selbigen Ergebnis und engte den abgegangenen Ort auf den Raum Lerchenmühle-Brühl-Holderäcker-Haselwiesen ein. Hier wurde der ehemalige Herrschaftswald auch als Mühlhäuserwald bezeichnet. Die Forstlagerbücher von 1556 und 1738 deuten darauf hin eine Nähe Mühlhausens zu Ruit hin (1556: "Ruitter Busch, zwüschen elbronner vnd Mühlhauser markcht", 1738: "[...] zu vermuten, es müssen 2 Steinerne Mühlen gewesen sein, einmal eine, die nach Ölbronn und eine, die nach Ruit gehört hätte, und Mühlhausen stünde auch nicht mehr [...]"). Des weiteren gab es noch um 1685 nordwestlich von Ölbronn eine Fläche, die als "gemeinsame Markung von Ruith, Ölbronn, Knittlingen" bezeichnet wurde. Zuletzt betont Haßpacher, dass ein Mühlenort an einem möglichst wasserreichen und -sicheren Bach liegen müsse. Dies sei am Salzach nach dem Zufluss der Bäche Büllstrichgraben, Mühlgraben und Baumbach geeigneter als in der Mühlau.

Fleckenzeichen

Auf den Gemarkungsgrenzsteinen wurde früher das Fleckenzeichen der Gemeinde abgebildet. Da sich die Steine auf die Markungen bezogen, hatten Ortschaften, die einst eine Gemeinschaftsgemarkung bildeten (z.B. Kieselbronn und Dürrn) oder einen großen Teil ihrer Gemarkung von einer Wüstung übernommen haben (z.B. Göbrichen und Ispringen) ein ähnliches Fleckenzeichen. Ein ähnliches Fleckenzeichen besaßen auch die Gemeinden Bauschlott, Ölbronn und Ruit, die alle ein sesterartiges Symbol aufweisen. Da alle drei gemäß der Theorie von Hasspacher die Mühlhäuser Gemarkung unter sich aufteilten, könnte es sich hierbei um das ursprüngliche Symbol für Mühlhausen handeln.[15] Eventuell könnte das Symbol ein Mühlenrad darstellen.

Meist wurden die Fleckenzeichen auch in die Ortswappen integriert.

Literatur

Johannes Hasspacher: Ein Dorf an der Grenze. Chronik von Ölbronn, mit Beiträgen zur Geschichte der Waldenser sowie der Orte Kleinvillars, Mulinhusen und Dürrn. Pforzheim, 1982.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Vgl. Eduard Paulus (1980): Beschreibung des Oberamtes Maulbronn, S. 190
  2. Gustav Bossert (1988): Die Urpfarreien Württembergs. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 3, S.8
  3. A. Mettler (1937): Der Name des Klosters Maulbronn. In: Zeitschr. f. württ. Landesgeschichte 1, S. 329
  4. Königr. Württ. I (1904): S.480
  5. Ähnlich argumentierte auch der Historiker D. Weber (1927) in: Die Wüstungen in Württemberg. Ein Beitrag zur historischen Siedlungs- und Wirtschaftsgeographie Württembergs, S.171
  6. Weitere Gegenargumente sind unter A. Mettler (1937): S.327ff aufgeführt
  7. Karl Weisert (1968):Knittlingen -Geschichte einer Stadt, S.35
  8. Michael Walter (1925), S. 43
  9. Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 133
  10. A. Dauber (1950): Zur Besiedlung im Karstgebiet nördlich Pforzheim. Badische Fundberichte 18, S.134
  11. S.70, Anmerkung 2
  12. S.46
  13. Hans-Rudolf Schömmel (1975): Straßendörfer im Neckarland. Ein Beitrag zur geographischen Erforschung der mittelalterlichen regelmäßigen Siedlungsformen in Südwestdeutschland, S.70
  14. Johannes Hasspacher (1982): Ein Dorf an der Grenze. Chronik von Ölbronn, mit Beiträgen zur Geschichte der Waldenser sowie der Orte Kleinvillars, Mulinhusen und Dürrn, S.36
  15. Heinrich Tölke (1995): Göbrichen - Neulingen. Monographie eines Dorfes und einer Landschaft im Norden Pforzheims, S. 22
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