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Goldschmiederevolution

Von Stadtwiki

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Informationstafel zur Goldschmiederevolution am Kaiserpanorama im Stadtmuseum in der ehemaligen Kirche St. Martin im Pforzheimer Stadtteil Brötzingen

Die Pforzheimer Goldschmiederevolution war eine Protestaktion der Goldschmiede gegen die Schmuckfabrikanten, am 1. Mai 1839.

Anlass für die Goldschmiedsrevolution war, dass am Mittwoch, 1. Mai 1839 die führenden Pforzheimer Schmuckfabrikanten ein neues Arbeitszeit-Regulativ durch Anschlag bekannt machen wollten. Bis dahin betrug der Arbeitstag 11 Stunden, samstags 10 Stunden. Da in den Wintermonaten November, Dezember, Januar, Februar nicht zu lange bei Licht gearbeitet werden sollte, war in diesen Monaten der Arbeitstag kürzer und es wurde am Wochenlohn ein Tag abgezogen. Wurde trotzdem - in der Weil- länger gearbeitet, wurde nach gearbeitetem Stück bezahlt. Das Regulativ schaffte nun die Weilarbeit ab. Stattdessen sollte in der Regel 11 Stunden am Tag gearbeitet werden.

Den Arbeitern war wahrscheinlich die Abschaffung der Zahlung nach Stück nicht recht, und das Regulativ lief auch auf eine Verlängerung der Arbeitszeit am Samstag um eine halbe Stunde hinaus.

Schon am Abend vor der Bekanntmachung rotten sich etwa 500 Arbeiter, die davon Wind bekommen hatten, aus Protest zusammen. Erst zieht man vor das Haus des Schmuckfabrikanten Benckiser, der nicht unterschrieben hatte, und bringt Hochs auf ihn aus. Dann werden mit Steinen und Äxten an den Wohnhäusern von sieben beteiligten Fabrikanten Fenster und Türen demoliert. Beim Fabrikanten Dennig landet ein Stein in der leeren Kinderwiege. Später soll Dennig Jedem der um Lohnerhöhung vorsprach, wortlos den Stein gezeigt haben.

Ein Gendarm stellt sich der Menge entgegen, feuert Warnschüsse ab und wird verprügelt. Es finden Verhaftungen statt. Von schwer verletzten Gendarmen ist in der Karlsruher Zeitung die Rede.

Am 1. Mai marschiert die vom Oberamtmann per Staffette angeforderte Kavallerie vom Regiment Großherzog aus Karlsruhe ein. Eine erneute Demonstration wird friedlich aufgelöst. Arbeiter und Soldaten sitzen abends in den Wirtschaften zusammen. Aber es finden weitere Verhaftungen statt.

Am folgenden Tag kehren die meisten Arbeiter in die Fabriken zurück. Nun trifft auch Infanterie aus Karlsruhe ein, die in Konflikt mit den ebenfalls rebellierenden Flößern gerät. Diese hatten drei Mann einer Kavallerie-Patrouille angegriffen und verwundet. Eduard Miller, genannt Borax-Miller, soll die von der Neckarfahrt heimkehrenden Flößer in einer Wirtschaft aufgewiegelt haben: Die Kavallerie würde ihre Kollegen ermorden. Jahre darauf war er Schmuckfabrikant und neun Jahre später das Pforzheimer Oberhaupt der badischen Revolution, wofür er zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.


Die Situation beruhigt sich nach einiger Zeit. Die beteiligten, nicht aus Baden stammenden Arbeiter werden ausgewiesen und ins Ausland (meist Württemberg und die Pfalz) abgeschoben, darunter auch der spätere Landtagsabgeordnete Moritz Müller, dessen Habe konfisziert wird. Nach einem Jahr konnte er zurückkehren.

Erinnerung

Szenen von der Goldschmiederevolution sind im Kaiserpanorama des Stadtmuseums in der St. Martin zu sehen. Die Bilder wurden von Heinz Treiber gemalt und von Günter Beck digital stereoskopisch bearbeitet.

Quelle

Ein Flyer der im Stadtmuseum in der Kirche St. Martin beim Kaiserpanorama ausliegt. Fast wörtlich übernommen, dank der vorhandenen Datei des Autors Günter Beck.

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