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Ferdinand Bischoff

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Ferdinand Bischoff (* 19. November 1841 in Nußbaum; † 27. Dezember 1872 in Pforzheim) war Goldschmied und Gewerkschaftführer in Pforzheim.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Beruf

Ferdinand Bischoff ist 1841 in Nussbaum – heute Ortsteil von Neulingen – geboren. Sein Vater hieß Christian Michael; er war Bauer, Gemeinderechner und Wegmeister, seine Mutter hieß Margaretha. Er hatte elf Geschwister, zehn Schwestern, von denen zwei nach Amerika ausgewandert sind, und einen Bruder. Ferdinand Bischoff absolvierte eine Goldschmiedslehre in Pforzheim. Bis 1869 war er Schriftführer beim Arbeiterbildungsverein. Nach der Gründung des „Gewerkvereins der Goldarbeiter“, genauer: „Gewerksgenossenschaft der Pforzheimer Goldarbeiter und verwandter Berufsgenossen“, im Jahr 1869 warb er vor allem unter den Pendlern um Mitglieder. Wohl deswegen steht im Ortssippenbuch Nußbaum über ihn - aus damaliger und einseitiger Sicht: "Er hat als Freigeist gewirkt und uns auch Böses in die Gemeinde gebracht."

In dem Aufruf zur Gründung des "Gewerkvereins der Goldarbeiter" hieß es:

„Wir wollen uns in allen Unfällen des Lebens, denen der Mensch – namentlich der Arbeiter – so oft und vielfältig ausgesetzt ist, gegenseitig unterstützen. Aber auch um den Einzelnen und Alle zu schützen, wenn das Kapital seinen Fuß dem Arbeiter brutal auf den Nacken setzt“.

Vom 29. bis zum 31.8.1869 fand der Erste Delegiertentag des Gewerkvereins der deutschen Gold- und Silberarbeiter in Pforzheim im Saal des Gasthofes „Zum schwarze Adler“ statt. Der Gewerkverein stand anfangs den Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften nahe und war 1891 eine der Vorläuferorganisationen des DMV (Deutscher Metallarbeiter-Verband), aus dem nach 1945 die Industriegewerkschaft Metall entstand.

Vorsitzender des Gewerkvereins

1870 wählten seine Kollegen Ferdinand Bischoff zum Vorsitzenden des Gewerkvereins und er übernahm auch die Redaktion des Vereinsorgans „Genossenschafters“. Die ersten Früchte der gewerkschaftlichen Organisierung zeigten sich bei den erfolgreichen Verhandlungen mit den Pforzheimer Schmuckfabrikanten um die Verkürzung der Arbeitszeit von täglich 11 auf 10 Stunden bei gleichbleibendem Lohn. Ferdinand Bischoff verlor aufgrund seines gewerkschaftlichen Engagements seinen Arbeitsplatz und wurde in keinen Betrieb in Pforzheim mehr eingestellt, deswegen musste er sich 1871 – ähnlich wie sein Kollege Daniel Lehmann mit einer Gastwirtschaft – mit einem Laden in der Spitalstraße, der heutigen Gymnasiumstraße, selbstständig machen.

Arbeitskämpfe

Als im Frühjahr 1872 der „Fabrikantenverein“, ein Zusammenschluss der Pforzheimer Arbeitgeber, bekannt gab, kein Arbeiter dürfe ohne Vorlage eines Kündigungsscheins eingestellt werden, nahm Ferdinand Bischoff im „Genossenschafter“ scharf dagegen Stellung. Daraufhin kam es 8. 4. 1872 in der Turnhalle – heute ungefähr an der Nordwest-Ecke des Turnplatzes – zu einer Protestversammlung von über 1500 Beschäftigten gegen die Generalverdächtigung, alle Arbeiter ohne Entlassungspapiere hätten Schulden oder sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht. Aufgrund der Hochkonjunktur benötigten die Unternehmer dringend Arbeitskräfte und verzichteten rasch auf ihre Pläne.

Im Sommer 1872 verlangten die Etuis-Arbeiter, im Buchbinder-Verband organisiert, eine 25 – prozentige Lohnerhöhung. Unterstützt vom Gewerkverein mit Bischoff an der Spitze und der 1870 gegründeten Ortsgruppe der „sozialdemokratischen Partei“ war diese Lohnbewegung erfolgreich.

Ehrung

Nach seinem frühen Tod mit 31 Jahren am 27. 12. 1872 sollte am ersten Todestag sein Grabmal feierlich eingeweiht werden, eingeladen waren schon Delegationen der Ortsvereine des Gewerkvereins aus Berlin, Gmünd, Hanau und Stuttgart, doch Gemeinderat und Bezirksamt verboten die geplante Ehrung, die mit einem Zug von der Arbeiterhalle in der Lammstraße durch die Stadt zum 1863 angelegten Friedhof in der Oststadt zwischen Lindenstraße und Eisenbahn beginnen sollte.

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