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Altes Reuchlin-Gymnasium

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Das Alte Schulgebäude des Reuchlin-Gymnasium bestand von 1905 bis 1945. Heute ist das Reuchlin-Gymnasium in einem Neubau an der Schwarzwaldstraße 84 in Pforzheim untergebracht.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Gebäude wurde am 9. Februar 1905 eingeweiht. Der Altbau wurde von dem Bezirksbauinspektor Heinrich Henz errichtet,[1] der auch die Pläne für den Bau der Bergkirche in Büchenbronn lieferte. Die Gesamtkosten des Baues beliefen sich auf 542.000 Mark.

Am 23. Februar 1945 wurde das Gebäude beschädigt. Die Beseitigung der kriegsbeschädigten Fassaden im Jahr 1951[2] war umstritten:
„Zur Zeit wird das Gebäude des Reuchlingymnasiums abgerissen, da der Verkehr eine Verbreiterung der Goethestraße fordert, weshalb die Vorderfront des Gebäudes wegfallen muss. Nur das Portal steht noch inmitten des Trümmerfeldes aufrecht und es wäre zu wünschen, dass diese schöne Skulpturarbeit von Prof. Adolf Sautter nicht der Spitzhacke zu Opfer fällt ... Als nach der Zerstörung noch die Sandsteinfront des Gymnasiums stand, hofften viele, daß es möglich sein werde, diesen charakteristischen Bau wieder herzustellen“.[3][4]


Lage und Umgebung

Es stand in der Simmlerstraße an der Goethebrücke, wo heute die Jahnhalle steht. An der Enz standen auch das Gebäude der Oberrealschule und das Gebäude der Reichsbank.

Architektur

Der Bauplatz des damaligen neuen Gymnasiums zerfällt in zwei Teile, der größere Teil, auf dem das Hauptgebäude steht, liegt an der Goethestraße und Simmlerstraße, der kleinere Teil, auf dem das Wohngebäude errichtet ist, dann der Zerrennerstraße. Nach Westen wird das gesamte Gelände durch den städtischen Bauplatz, auf dem später die Oberrealschule erstellt werden soll, begrenzt. Zwischen den Gebäuden, die mit den Hauptfronten an den Straßen stehen, liegt der Schulhof, und, durch einen niedrigen Zaun davon getrennt, der Garten des Direktors, des Dieners und jener für den naturwissenschaftlichen Unterricht.

Das Hauptgebäude gliedert sich, was die äußere Erscheinung anbetrifft, in drei Teile, die im Grundriss aber zusammenhängen: das eigentliche Schulgebäude mit drei Stockwerken und mit der Hauptfront an der Simmlerstraße und der dieser parallel fließenden Enz, den Turnhallenbau mit der Hauptfront nach der Goethestraße und ungefähr 1 1/2 Stockwerke hoch, und den Abortbau, welcher  dem Hofe zu anschließend an das Nebentreppenhaus ebenfalls 3-stöckig erstellt ist. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes sind untergebracht: 2 große und Garderobe für die auswärtigen Schüler und die Turnhalle, die auch als Festsaal benützt wird, mit Nebenzimmer.

Das 1. Obergeschoss enthält: 2 große Klassen, wovon eine als für den naturkundlichen Unterricht mit daran stoßendem Vorbereitungszimmer und Sammlungsraum, das Direktorzimmer, das Sprechzimmer, das Lehrerzimmer und das Kartenzimmer. Im 2. Obergeschoss sind untergebracht: 1 große und 2 kleine Klassen, der Zeichensaal mit Reißbrettraum, der Physiksaal mit Vorbereitungszimmer und dem Apparateraum. Fast alle Kellerräume finden Verwendung zu Schul- oder Betriebszwecken, es ist u. a. das Kesselhaus der Niederdruckdampfheizung eingebaut. Durch sie wird das Haus geheizt, und ventiliert durch Einführung frischer vorgewärmter Luft und Abführung der verbrauchten über Dach durch die Gaubenaufbauten. Als Heizkörper dienen einfache Radiatoren, die durch gusseiserne, besonders modellierte wegnehmbare Verkleidungen verdeckt sind.

Die Ausstattung der einzelnen Räume ist einfach, Holzverkleidung etwas über Fensterbankhöhe, das Holzwerk in verschiedenen Farben, je nach dem Stockwerk gebeizt und lackiert, die Wand darüber in Kasein gestrichen und ebenfalls abgetönt, die Decken weiß gestrichen. Einzelne Klassenzimmer und die Räume für den Direktor und die Lehrer haben Gasbeleuchtung erhalten; die Korridore, Treppen, Vorplätze und die Turnhalle sind mit elektrischen Licht versehen.

Für den Physiksaal und das Vorbereitungszimmer ist Anschluss an die elektrische Kraftleitung und an die Gebrauchsanleitung vorhanden. In jedem Stockwerk ist ein Wandbrunnen angebracht.


Ausstattung

Fassade

Die 3 Hauptfassaden sind vollständig mit rotem Buntsandstein verkleidet. Der ornamentale Fries, der sich um die drei Fassaden zieht ist mit Keim‘schen Farben bemalt. Das Zifferblatt ist aus Kupfer getrieben. Der Dachreiter auf dem Eckturm ist mit Kupfer bekleidet.

Hauptportal

Aufwändigen Bauschmuck hat das Hauptportal erhalten. An der rechten und linken Seite des Hauptportals sind neben Ornament- und Bauschmuck auch Porträtmedaillons von Reuchlin und Melanchthon zu sehen, die von dem Pforzheimer Bildhauer Adolf Sautter geschaffen wurden.


Innenhof/Reuchlin-Hof mit Brunnen

Der Schulhof (auch Reuchlin-Hof) hat 2 Reihen Bäume und einen künstlerisch ausgestatteten Brunnen mit einem Knaben in Bronze mit Traube, geschaffen von Adolf Sautter . Bei den Hoffassaden sind die Flächen zwischen den Fenstern geputzt und beweißelt, ein gaubenartiger Aufbau nach den Hof zu dient zur Aufnahme des zweiten Zifferblattes.

Turnhalle/Festsaal

Etwas reicher ausgebildet und ihrer zweiten Bestimmung als Festsaal angepasst, wurde die Turnhalle in Bezug auf Malerei, hier waren alle Felder der Kassettendecke mit Renaissance-Ornamenten in Kaseinfarbe bemalt, teilweise auch mit figürlichen Darstellungen. In der Mitte der Decke, auf verschiedenen Feldern verteilt, wurde der Tierkreis aufgemalt.


Vestibül und Türen

Gemalte Blumenkörbe schmückten das Deckengewölbe des Vestibüls. Die Stuckdecken der Vorplätze erhielten ebenfalls Bemalung in verschiedenen Tönen, in die Stuckkartouchen der 1. Obergeschossdecke wurden die Köpfen von Homer, und Perikles, Cicero und Caesar, Goethe und Bismarck gemalt. Große Blumenvasen, geschaffen aus Stuck, schmückten die Türen. Die Türgewände der einzelnen Räume nach den Korridoren zu, wurden in Stein ausgeführt, teilweise mit Bildhauerei versehen. Farbig behandelt wurden auch die Sandsteine an den Türgewänden, sie wurden mit Heim‘schen abwaschbaren Mineralfarben in verschiedenen Tönen überstrichen; der Grundton aller Sandsteinanstriche ist grau in marmorähnlicher Ausführung, um die Eintönigkeit des Anstriches zu vermeiden.


Treppenhaus

Aus Stein gefertigte Prunkvasen standen im Treppenhaus, das selbst mit Früchten und geflügelten Kinderköpfen dekoriert war. Farbig behandelt wurden auch sämtliche Sandsteine des Innern an dem Haupttreppenhaus, sie wurden mit Heim‘schen abwaschbaren Mineralfarben in verschiedenen Tönen überstrichen; der Grundton aller Sandsteinanstriche ist grau in marmorähnlicher Ausführung, um die Eintönigkeit des Anstriches zu vermeiden.

Fliesen

In jedem Geschoss waren Wandbrunnen angebracht, die mit verschiedenen Fliesengemälden ausgeschmückt waren. Einen besonders lebhaften farbigen Schmuck des Innern bildet die Wandbekleidung aus Kachelfliesen, die sich in sämtlichen Korridoren und Vorplätzen auf 1,40 m Höhe entlang zieht, verschiedenfarbig je nach dem Stockwerk.

Denkmalwand

Auf dem Vorplatz des neuen Reuchlin-Gymnasiums befindet sich eine frei stehende halb hohe Betonwand, die als 1968 zusammen mit dem Neubau als „Denkmalwand“[5] gestaltet wurde. Die „Denkmalwand“[5] soll an den Vorgängerbau erinnern, der am 9.2.1905 eingeweiht wurde. Auf beiden Seiten wurden insgesamt vier Trümmerteile als Spolien vom früheren Hauptportal des 1951 abgebrochenen alten Reuchlin-Gymnasiums eingefügt. An der Nordseite zwei Teile des Schriftfelds „Reuchlingymnasium“[5] sowie Fragmente des Portalbogens mit Säulenteil und Bildnismedaillon Johannes Reuchlins. Auf der Südseite wurde folgendes beschädigtes Schriftfeld eingefügt: „erbaut unter Großherzog Friedrich 1902-1904.“[5]

Einzelnachweise

  1. Becht und Kremer 1996, S. 53.
  2. Henz, Heinrich . In: Christoph Timm:Pforzheim. Kulturdenkmale in den Ortsteilen Pforzheim 2006, S. 355.
  3. Weg damit. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 66.
  4. Oskar Trost: Weg damit. In:Pforzheimer Kurier, 28. September 1951.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Schwarzwaldstraße 84, Trümmerteile vom Portal des alten Reuchlin-Gymnasiums . In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 405..

Weblinks

Literatur


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